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10 Tipps für taufrische Yogalehrer

13. April 2015
Yogalehrer

Eine Yogalehrer-Ausbildung zu absolvieren und sich dann auch tatsächlich auf das Yogalehrer-Parkett zu wagen, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Manche machen die Yogalehrer-Ausbildung und merken (wenn sie Glück haben rechtzeitig) dass diese Verantwortung nichts für sie ist.

Andere wiederum stürzen sich mit viel Trara oder gemächlich, wenn sie von der leisen Sorte sind, ins Yogalehrer-Haifischbecken. Leider wird man oft haltlos nach einer bestandenen Yogalehrer-Ausbildungen auf die Menschheit losgelassen, was fatale Folgen haben kann. Als ich damals meine erste Hatha Yoga Ausbildung absolvierte, war ich blutjung, schrecklich unerfahren und war sehr froh, wunderbare Mentoren zu haben, die mich an die Hand nahmen und mich in ihre Kunst des Unterrichtens einweihten.

Ich habe hier ein paar Punkte zusammengefasst, die mir sehr geholfen haben. Vielleicht ist ja auch für dich etwas dabei.

1. Fang einfach an!

Du hast deine Yogalehrer Ausbildung abgeschlossen, hältst stolz wie Bolle dein Zertifikat in der Hand und wartest darauf, dass grandiose Angebote vom Himmel fallen? Tja, das wird nicht passieren, außer du hast schon ein fulminantes Netzwerk im Vorwege aufgebaut oder wohnst in Hintertupfingen. Keiner wartet auf dich. Es gibt unfassbar viele arbeitslose, hungrige Yogalehrer, die alle nach Yogaklassen und Ruhm, vor allem Ruhm,  hecheln. Hier aber die gute Nachricht: Lass dich nicht entmutigen. Es ist noch reichlich Platz! Gute Yogalehrer sind immer gefragt. Suche dir einen Mentoren, einen Yogalehrer, den du sehr schätzt und gehe in seine Yogaklassen. Nimm so viele Yogaklassen von ihm wie möglich und biete ihm deine Vertretung, falls er sie mal braucht, an. Emsige Yogaschüler, die regelmäßig kommen und wissen, wie der Yogalehrer unterrichtet, schätzen die meisten Yogalehrer sehr. Warte nicht, werde sofort! tätig. Unterrichte jeden, der willig ist: die Nachbarn, den Gemüsehändler, den Opa. Übe, übe, übe.

2. Asanas wirken von allein

Diese Aussage bekam ich von meiner damaligen Yogalehrerin. Sehr hilfreich und beruhigend. Gerade am Anfang darf man nicht zu perfektionistisch sein, die Schüler nicht vollquatschen mit allem, was man gerade strebsam gelernt hat. Gib ihnen Raum! Mache dir keinen Kopf, wenn du etwas nicht hundertprozentig richtig ansagen kannst, das wird schon. Lege Unsicherheit beiseite und unterrichte das, was du in diesem Moment weißt. Keiner erwartet mehr von dir. In zehn Jahren sieht alles schon anders aus. Die Kunst des Unterrichtens ist ein weites Feld, ein langer, manchmal steiniger Weg. Gib Dir Zeit und vor allem: Vergleiche dich nicht mit Yogalehrern, die schon lange unterrichten!

3. Praktiziere, praktiziere, praktiziere

Wenn du weißt, wie sich eine Asana, eine Atemübung anfühlt, dann kannst du während des Unterrichtens ganz andere Ansagen geben, als wenn du nur eine leise Ahnung von der Stellung oder Atemübung hast. Das Praktizieren lässt dich beim Unterrichten sicherer werden, baut dein Prana auf, was die Yogaschüler an deinem Wesen, deiner ansteckenden Ausstrahlung, natürlich bemerken. Möchtest du einen Yogalehrer haben, der nie praktiziert? Eben!

4.  Bereite dich vor

Als ich damals anfing, Anusara Yoga zu unterrichten, habe ich für jede Yogaklasse fünf Stunden Vorbereitungszeit investiert! Unfassbar aufwendig. Ich war verzweifelt. Das stand nicht im Verhältnis. Ich dachte tatsächlich, das wird sich nie ändern. Mittlerweile habe ich Abläufe und Themen im Kopf, brauche nicht mehr  so viel Zeit, um eine Yogastunde vorzubereiten. Der Aufwand hat sich am Anfang aber wirklich gelohnt. Es müssen ja keine fünf Stunden sein, aber ein Besinnen darauf, was man in der Yogastunde machen möchte, ist nicht unklug!  Wenn du fertig bist mit der Vorbereitung versteife dich keinesfalls auf deine Sequenz oder das Thema, denn du weißt nie, was für Yogaschüler kommen werden (außer du hast eine feste Truppe) oder ob das Thema heute angebracht ist. Vorbereiten, einstimmen und loslassen. Eine gute Übung!

5. Observiere

Ich weiß, dass wird nicht in allen Yogarichtungen gern gesehen. Das Observieren von Yogastunden kann dir enorm weiterhelfen. Frage deinen Mentoren, oder einen Yogalehrer, dessen Unterrichtsstil du schätzt, ob du nicht mal in seiner Yogaklasse in einer kleinen Ecke sitzen, und von außen einen Blick auf die Yogastunde werfen darfst. Sage ihm, dass du gern von ihm lernen möchtest. Mache dir dann während des Unterrichts Notizen, achte auf den Aufbau, Rhythmus, Tempo, Wortwahl und wie er den Schülern begegnet, was er während der Adjustments genau macht, und wie die Schüler darauf reagieren. Observiere so oft du kannst, es ist eine wunderbare Art zu lernen.

6. Assistiere

Nachdem du beim Observieren ein paar Tricks und Tipps gelernt hast, biete dem Yogalehrer deine Assistenz an. Manchmal sind Yogaklassen sehr gut gefüllt, dass es eine Bereicherung ist, wenn ein zweiter Yogalehrer einen Blick auf die Schüler hat. Du wirst die ersten Male vielleicht aufgeregt und unsicher sein. Keine Sorge! Das geht vorbei.

 7. Bitte deinen Mentor, deine Yogastunde zu besuchen

Aufregend, nicht? Frage ihn, ob er mal einen Blick auf deine Yogastunde werfen und dir danach ein ausführliches Feedback geben kann. Das fällt sicher nicht immer bombastisch aus, denn auch Yogalehrer, die schon Jahrzehnte unterrichten, bekommen nicht immer das beste Feedback. Nur daraus kann man lernen und wachsen. Gib deinem Mentor Zeit, vielleicht kommt das Feedback erst ein paar Tage später, das hat aber nichts zu bedeuten, manchmal braucht es einfach ein bisschen, eine Yogastunde auf sich wirken zu lassen.

 8. Nimm deine Yogaklasse auf

Meine Mentoren haben meine Yogaklassen eine Zeit lang immer auf Band mitgeschnitten. Horror! Allerdings ist es sehr hilfreich, zu wissen, was man im Unterricht so schwafelt. Einfach dein Mobiltelefon neben deine Yogamatte legen und mit der iRecorder App deinen Yogaunterricht aufzeichnen…..

 9. Sei geizig und bedacht mit deinen Worten

Wenn ein Yogalehrer ständig „super gemacht“ in die Yogaklasse ruft, obwohl alle nur das rechte Bein angehoben haben, dann frage ich mich, was diese Aussage soll. Auch „toll, „sehr gut“ oder „prima“ nach jedem Schritt, den man auf der Yogamatte tätigt, macht für mich keinen Sinn und nervt! Vermeide schon am Anfang deiner aufstrebenen Yogalehrer-Karriere, Worte und Phrasen, die nur dazu da sind, dich am Schnattern zu halten. Sei einfach still. Lobe oder sage nur etwas, wenn es auch wirklich nötig und angebracht ist, sonst nimmt dich keiner mehr ernst!

10. Schaffe dir eine Community

Trommel ein paar Yogalehrer zusammen,vielleicht sogar ein paar Leute aus deiner Ausbildung. Trefft euch einmal die Woche und unterrichtet euch gegenseitig, besprecht Themen, die euch beschäftigen und lernt voneinander. Eine unterstützende Truppe im Hintergrund ist Gold wert!

 

Am Anfang ist es nicht immer leicht, entspannt zu unterrichten. Ich habe bestimmt ein halbes Jahr vom Unterrichten geträumt und meinen damaligen Freund nachts im Schlaf korrigiert und dazu noch ständig das Mantra Om gesungen, kein Scherz.

Es ist aufregend, alles so neu. Lass Dir Zeit, sei geduldig und setze dich  nicht unter Druck. Yogalehrer zu sein ist eine große Verantwortung. Der Schüler schenkt dir sein größtes Vertrauen, Zeit und Hingabe. Bevor du also deine Zeit nach der Yogalehrer Ausbildung sofort ins Marketing steckst, werde erst einmal ein fundierter Yogalehrer! Deine Schüler werden dich dafür lieben. Versprochen!

P.S Ich schreibe Yogalehrer, meine damit natürlich auch die Frauen!!!

 

 

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