Achtsamkeit
Mind

Achtsamkeit im Alltag – Kein leichtes Spiel

Ist es nicht traurig, dass wir oft gerade die Menschen schlecht behandeln, die uns nahe stehen? Das wir nach außen hin zu allen freundlich und entgegenkommend sind? Zu Hause aber rumgeschrien wird, weil die falsche Tomatensauce gekauft wurde? Ich bin der Meinung, dass sich das schleunigst ändern muß. Wir machen Yoga, meditieren, üben uns in Achtsamkeitsarbeit. Ist die Praxis vorbei, verfallen wir flix wieder in unsere alltäglichen Muster, oder?

Als ich bei meinem Lehrer Mooji in London war, ich fünf Tage am Stück meine Ruhe hatte, ist mir ein Licht aufgegangen. Ganz klar: Ich bin hin und wieder eine widerliche Ehefrau und eine noch grässlichere Mutter. Warum? Weil ich meinen Frust, meine Ängste und Sorgen daheim ablasse. Ungefiltert.

Ist das richtig? Nein. Warum bloß glauben wir, dass wir uns bei unseren Partnern, unseren Familien, bei den engsten Freunden, daneben benehmen dürfen? Ist eine Ehe ein Freifahrtschein dafür, den Menschen manchmal lieblos zu behandeln? Gut, so schlimm ist es bei uns jetzt nicht. Aber so mit den Jahren, bin ich nicht mehr ganz so achtsam mit dem, was ich meinem Mann so hin und wieder an den Kopf schmeisse.

Oder den Kindern. Da wird meine Stimme schnell erhoben, wenn auf dem Sofa rumgeturnt wird. Weil vielleicht im Job etwas nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe, oder ich total genervt bin. Wir haben zu Hause nun einen Deal. Schreie ich meine Kinder an, muß ich jedem fünf Euro in die Hand drücken. Das ist viel Geld. Zum Glück reiße ich mich am Riemen und erspare meinem Geldbeutel die Ebbe (und meinen Kindern eine aufbrausende Mutter).

Nicht, dass ihr mich falsch versteht. Reibung muss sein, auch Streit darf vorkommen. Nichts ist langweiliger als ständige Ja-Sager in der Familie, oder im Freundeskreis. Aber bitte achtsam und mit Verstand.

Wie wäre es also, wenn wir versuchen, zu Hause, mit den Menschen, die uns nahe sind, so liebevoll wie möglich umzugehen? Ihnen zuhören? Ihnen Zeit schenken? Für sie da sind? Sie nicht als selbstverständlich nehmen? Ein Nest bauen, in dem alle so sein können wie sie sind?

All den Scheiß, der uns belastet, dann dort ablassen, wo er hingehört? Bei der Kollegin. Beim Chef. Bei der Nachbarin, die die ganze Zeit nölt? Ist schwer, ich weiß.

Dazu braucht man Mut und noch viel mehr: WILLENSKRAFT. Man muß es wollen. Für die Menschen, die wir lieben. Eine Veränderung herbeiführen. Für sich einstehen und nicht den Kopf einziehen, wenn es notwendig ist. All den Müll mal nicht mit nach Hause nehmen….Vielleicht werden wir nicht mehr als so freundlich und strahlend wahrgenommen.

Hier ein paar Tipps, wie du dich deinen Liebsten mit Achtsamkeit wieder mehr annähern kannst:

  1. Beginne zuzuhören. Was möchte dir dein Partner (Kind, Mutter etc.) sagen? Findet er die richtigen Worte? Wenn nicht, kannst du trotzdem wahrnehmen, spüren, was er sagen möchte, oder nagelst du ihn an dem fest, was er grad von sich gegeben hat?
  1. Wenn du dich plötzlich in deinen Emotionen gefangen fühlst, und dich nicht sortieren kannst, gehe vor die Tür, einmal um den Block. Atme tief durch und sage dir : „Egal was grad ist, meine Essenz bleibt davon völlig unberührt.“
  1. Plane Zeit mit der Familie. Ich kenne es selbst. Ich bin mehr unterwegs, als zu Hause. Da verliert man schon mal den Anschluss. Nimm teil am gemeinsamen Leben. Plane, gemeinsam zu Essen. Einmal am Tag ist wichtig, um die Energie in der Familie zu halten.
  1. Finde einen Weg, damit du das Gefühl bekommst, einverstanden mit dem zu sein, wie dein Leben ist. Einverstanden zu sein, ist ein wundervoller Zustand, der einen erdet. Glaube mir, die Menschen um dich herum werden es merken, weil du viel zufriedener bist.
  1. Sei mitfühlend. Hilft sehr, andere zu verstehen, und ihnen wieder näher zu kommen. Erzählt dein Partner (Freundin oder Kind) dir etwas, beginne nicht gleich zu antworten. Finde keine Lösung, sondern sage ihm, daß du es verstehen kannst, dass du vielleicht sogar auch mal so einer Situation warst. Mir persönlich gibt es sehr viel, wenn jemand mich so aufnimmt. Ich bekomme dann das Gefühl aufgefangen zu werden, ohne dass die Person viel sagen muß.
  1. Nun zum letzten Punkt.  Dieser Punkt braucht ein wenig Zeit. Finde heraus, wo deine Schattenseiten sind. Ein Beispiel: Du schreist nach der Arbeit immer deine Kinder an, weil du völlig erschöpft bist. Oder: Du kritisierst deinen Partner unaufhörlich, weil du mit deinen eigenen Haaren unzufrieden bist…… Frage dich, warum du so oder so handelst. Finde den Ursprung. Dann versuche wirklich mal, die Dinge in deinem Leben zu ändern, dass du so nicht mehr handeln mußt. Das meine ich ganz ernst. Schaue genau hin. Das Nächste wäre, daß du ein Versprechen mit dir ausmachst. Schreibe dir dein Vorhaben ganz genau auf. Zum Beispiel: Ich möchte nicht mehr meine Kinder anschreien. Wenn ich es doch tue, werde ich ______________________(Eis kaufen, eine Reise zum Legoland machen etc) Es lohnt sich.

Ps. Hast du noch weitere Ideen? Schreibe es gern!

Love & Rockets,

Madhavi Guemoes

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