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Dankbarkeit – zwischen Banalität und Tragik.

18. März 2014

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Gestern Abend flitzte ich noch schnell ins Sportstudio. Ich habe vor ein paar Wochen beschlossen, mal wieder mehr für meinen Körper zu tun, als nur Asanas. Wie das kam? Ich sah meinen Hintern in einem Kaufhaus in einer leichten Abwärtsbewegung und dachte: „Oha, Madhavi, es wird Zeit, wieder etwas für den Hintern zu tun.“

Ich bin nicht so der Kurstyp. Außerdem finde ich es grenzwertig, mich während des Turnens mit hochroter Birne und nass geschwitzt in einem Spiegel zu betrachten.  Ich stelle mich lieber 60 Minuten auf den Crosstrainer und bin danach im Himmel. Auf dem Gerät kam ich auf die Idee, einen Film zu schauen. Normalerweise gucke ich kein Fernsehen. Zwischen The Simpsons, Wer wird Millionär und irgendein Star Trek Gedöns lief ein Spielfilm über ein Mädchen, dass an Leukämie erkrankt war. Die Familie litt, das Mädchen ging durch die Hölle, und ich stand flennend auf meinem Crosstrainer. Mein Schweiß vermischte sich mit dem Salz meiner Tränen. Ich wurde ganz demütig und mir war urplötzlich mein Hintern scheißegal.

Wie oft meckere ich über mein Leben. Wie oft nervt mich meine Familie und ich wünsche mir ein Leben auf einer einsamen Insel. Ich wurde ganz klein mit Hut. Im Film starb plötzlich der Freund des Mädchens, er war vielleicht 13 und hatte auch Leukämie. Ich fieberte mit, ob sie es denn schafft. Zu überleben.

Ich erinnerte mich an einen Freund, mit dem ich aufgewachsen bin, der  innerhalb von drei Wochen an Leukämie starb. Er dachte ständig, er hätte eine Erkältung. Halsentzündung. Ging nie zum Arzt. Zum Überleben brauchte er einen Knochenmarkspender. Sein Vater kam in Frage. „Gott sei Dank“, dachten wir. Ein Tag vor der Transplantation hatte dieser einen tödlichen Unfall. Nix mit Knochenmark. Mein Freund starb demnach ein paar Tage später. Er war noch nicht mal 30. Erschütternd. Es kann immer jemand in unserem Umfeld schwer erkranken. Wir können krank werden. Dann ist nichts mehr wie vorher. Und man sagt Sätze wie: „Hätte ich doch damals anders gehandelt. Hätte ich doch mehr gelebt. Nun muss ich dieses Leben so ungelebt zurück geben.“ Tragisch.

Nachdem der Film zu Ende war, es war so 22 Uhr, fuhr ich mit meinem Fahrrad nach Hause, legte mich zu meiner Tochter ins kleine Bett, roch an ihrem Nacken und schwor, die Zeit mit den Menschen, die ich liebe, mehr zu genießen. Freier zu sein. Nicht zu klagen, wenn mein Sohn in der Schule auf der Bewertungstafel auf dem Gewitterfeld landet. Die guten Stunden umarmen. Dankbar sein – für das Leben, und die Menschen um mich herum, die mein Leben so ungemein bereichern.

P.S

Morgen gibt es mehr zum Thema Dankbarkeit und das Leben leben. Ich war im Zuge der ignite now! Veranstaltung beim Vortrag von Robert Holden,  Autor und Erfinder von „The Happiness Project“. Er hat mich komplett umgehauen. Ich bin immer noch dabei, das Gesagte zu verdauen. Morgen mehr. Versprochen!

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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