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Let’s talk about // Für weniger Porno im Yoga

3. März 2017
Yoga Porno

Ich bin eigentlich sehr dafür, jeden so zu lassen wie er ist. Auch ist mein Verständnis groß, wenn man sich beim Yoga etwas Fesches um den Leib schmeißen möchte und auf einer bemalten Yogamatte mit Ganeshaköpfchen das ewige Glück sucht. Nur zu, mache ich auch. Allerdings geht es mir gerade ein Stück zu weit. Die erotische Nummer während der Yogastunde oder auf den Social Media Kanälen, die manche Yogaschüler aber auch Yogalehrer abziehen, finde ich leicht befremdlich.

Müssen Leggings, die ohnehin schon so unglaublich figurbetont sind,  nun auch noch an manchen Stellen einen völlig durchsichtigen Mesh-Einsatz haben? Wozu? Damit die Haut besser atmen kann? Wohl nicht.

Von den Herstellern werden sie gern so beschrieben: „damit wirst du sicher nicht unbeobachtet deine Asanas praktizieren können, denn die Leggings sind ein brandheißer Hingucker“. Echt jetzt? Wollen wir nicht alle eigentlich vollkommen in Ruhe Yoga praktizieren? Wer will denn während der Yogastunde beobachtet werden? Ich nicht.

Ich hatte neulich in New York eine Dame vor mir, die eine Leggings mit besagtem Mesh-Einsatz trug. Ach, eigentlich bestand die Leggings nur aus diesem durchsichtigen Zeugs, der von wenig  Stoff zusammengehalten wurde. Es sah aus, als würde sie Strapse tragen, gegen die ich absolut nichts einzuwenden habe, jedoch zu einer anderen Gelegenheit. Sie schlängelte sich wie eine Echse durch die Reihen, um direkt vor dem Yogalehrer mit ihrer heißen Leggings Platz zu nehmen. Dann schüttelte sie ihr Haar als gäbe es kein Morgen und verrenkte sich übertrieben auf ihrer Yogamatte. Ich schloss die Augen.

Wieder mehr Aufmerksamkeit auf die Yogapraxis, als auf die eigene Erscheinung legen

Ist es nicht Ziel einer Yogastunde, den wüsten Geist zur Ruhe zu bringen, und den verdammten Alltag draußen zu lassen?  Muss denn alles auf dieser sexy Schiene stattfinden? Ich finde die Entwicklung traurig, denn sie schafft eine merkwürdige Stimmung. Sicherlich habe ich kein Problem damit, wenn jemand einfach heiß aussieht, aber dieses Übertreiben finde ich unschön. Ein Bekannter erzählte mir vor ein paar Tagen, wie unangenehm eine Partnerübung während der Yogastunde für ihn war, weil die Frau kaum etwas anhatte. Gut, könnte ich sagen, sein Problem. Aber ich verstehe ihn irgendwie. Vielleicht bin ich auch nur ein wenig eng in der Birne. Oder schlichtweg zu alt.

Auf Instagram sprang mir gestern Abend ein nackter Hintern von einer Yogalehrerin entgegen. Ich war für einen Moment wirklich erschrocken. Wie soll ich diese Lehrerin denn jetzt noch ernst nehmen? Was ist ihre Message? Oder die Mädels, die sich auf Fotos bei minus fünf Grad im bauchfreien Top in einer Yogastellung räkeln….da bekomme ich einen Kälteschock und flüstere: „Kind, verkühle dir nicht die Nieren.“

Ich denke dann an meine spirituellen Lehrer, die so etwas im Leben nicht machen würden. Gut, es ist auch eine andere Generation. Wahrscheinlich sind meine Gedanken dazu für manche nicht nachvollziehbar, vielleicht liege ich auch komplett falsch, doch musste es mal raus.

Natürlich darf jeder machen was er will, ich finde nur, dass besonders Yogalehrer eine gewisse Vorbildfunktion haben und nicht nur als Nackedeis auffallen sollten. Die Zeiten, in denen jeder eine affenweite Büx zum Yoga getragen hat, waren nicht unbedingt hot, doch waren alle wesentlich entspannter, weil es nicht ständig um die Präsentation des rattenscharfen Körpers ging.

#loveandrockets

Madhavi

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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