Allgemein Kolumne

Ostern – über Beklemmung, Freiheit und wilde Feten.

Freiheit

Ostern. Ich habe so gar keine Beziehung dazu. Weder zu buntbemalten Eiern, noch zu biblischen Geschichten. Doch ich habe zwei Kinder, die grad ganz kräftig dafür sorgen, dass ich mich damit auseinandersetzen muss. Ich kann die Bhagavad-Gita vor und rückwärts rezitieren, von der Bibel verstehe ich nur das Nötigste.

Gestern bekam meine Tochter von meiner Freundin Suse eine Süßigkeit geschenkt. Sie freute sich und legte sie gewissenhaft beiseite mit den Worten: „Mama, das bewahre ich mir für den Tag des Kummers auf.“ Aha. Karfreitag also. Mir fiel die Kinnlade runter. Meine Tochter erklärte mir die Jesus-Geschichte in allen Einzelheiten. Am Abend kamen beide mit einer Kinder-Bibel in der Hand auf mich zu und sagten:„Lies!“

Die Bibel kaufte ich vor ein paar Jahren in der Not – ich konnte keine Jesus-Fragen beantworten und dachte, in dem Buch finde ich sicher Rat. Am nächsten Morgen, als wir auf dem Weg zur Schule waren, fragte meine Tochter mich bierernst: „ Sind wir auch Jesus-Jünger?“ Ich verschluckte mich kurz und mein Sohn hakte ein: „Warum sind wir nicht getauft?“ Ich war überfordert, ich hatte ja noch nicht mal meinen Morgen-Kaffee gehabt. Ich hielt an und sagte: „Hört mal Kinder, ihr seid anders getauft. Wir haben euch damals eine Willkommensfeier geschenkt, da wurde ein bisschen Hare-Krishna gesungen – es war ein wildes und lustiges Fest. Wir sind keine Jesus-Anhänger, ich glaube daran, dass Gott in jedem von uns wohnt und wir nicht im Außen danach suchen müssen.“

Ich atmete tief aus und dachte: „Yes, ich bin so frei, ich brauch keine Kirche, kein christliches Konzept.“ „Freiheit ist sowieso das allerwichtigste!“ Meine Kinder schauten mich an und riefen gleichzeitig: „Wir wollen Ostersonntag in die Kirche.“ Das war zu viel für mein kleines Gemüt. Auch am Nachmittag ließen sie nicht locker. Hielten mir wieder die Bibel vor die Nase. Ich las vor. Dachte mir: Aha, hier also kommen die ganzen schönen Namen her. Rahel. Kain. Abel. Ich versuchte meinen dichten Geist für etwas, das mir sonst ein enges Gefühl vermittelt, zu öffnen.

Christentum. Kirche. Kreuzigung. Uaaaaghhh. Doch je mehr ich mich darauf einließ, desto spannender wurden die Geschichten. Im Endeffekt ist doch alles das Gleiche. Bhagavad-Gita oder die Bibel, alles eine Soße. Wichtig ist doch, dass wir an uns glauben. Und uns nicht bekämpfen. Ob Gott nun über, unter oder in mir wohnt. Schnurzpiepegal! Happy Easter!

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