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Let´s talk about: Spiritual Leader, Gurus und Tabus

Früher reichte es, wenn man als Yogalehrer fröhlich vor den Schülern die Yogamatte ausrollte und vielleicht noch das Gayatri Mantra auswendig konnte. Man war leicht verklemmt, äh, dogmatisch, trug weiße ausgeleierte Buxen und putzige Malas um den Hals. Das sollte spirituelle Ernsthaftigkeit ausdrücken, war aber wenig imposant.

Gesellschaftlich hatte man einen Hang zur Steifheit, man war leider gar nicht kompatibel. Jeder Yogi strebte nach Glückseligkeit, Mut und Würde. Dafür stand man auch gern um 4.30 Uhr auf, um irgendwelche Götter in Milch, welcher Art auch immer, zu baden. Es war irgendwie unschuldig. Heute ist alles anders.

Der Anspruch hat sich verändert. Ein Yogalehrer muss mindestens ein Medizin-Studium absolviert haben, einen Doktor in Philosophie oder Psychologie besitzen und hoppla, ein Marketing-Genie sein.

Yogis wollen die Sau rauslassen, es gibt nicht mehr allzu viele Tabus. Der durchtrainierte Yogalehrer vögelt gern seine Schülerin mit gemachten Brüsten auf seinen Yoga-Retreats, während Frau und Kinder im Lotus-Sitz zu Hause vor dem Yogi-Altar verharren.

Letztes Jahr nahm ich eine trotzige Anti-Guru Bewegung wahr. Alle plauderten davon, dass man keinen Lehrer mehr bräuchte, denn das eigene Licht, die Erleuchtung und so, das fände man schließlich auch allein. Fühlte sich wild und frei an. Fand ich amüsant und gesund.

Seit Kurzem hat sich der Wind schon wieder gedreht.  Ich bin leicht irritiert. Ich möchte nicht schwächeln, aber mit dem Tempo komme ich nicht ganz mit.

Auf einmal sprießen überall Healer, Spiritual Leader (dass der Begriff auf Englisch ist, macht die ganze Sache auch nicht besser)  oder Life Coaches aus dem saftigen Yogaboden. Wenn ich Newsletter von amerikanischen Yogalehrern bekomme, lese ich nur noch Sätze wie: “Melde dich jetzt an und entdecke deine unendliche Kraft als Spiritual Leader.” Reicht es nicht mehr, das Wissen als Yogalehrer einfach nur zu teilen? Brauchen wir Menschen auf einem Podest, die uns erzählen, wie die Welt funktioniert? Echt?

Generell ist es eine wunderbare Angelegenheit, wenn jeder sein Potenzial entdeckt und auslebt. Nur diese „Heiler“ (wobei es natürlich auch ernstzunehmende gibt!)  oder “Führer” Bewegung geht mir mächtig auf den Senkel. Denn es geht doch nur um eins, die noch völlig rohen Schüler in eine Abhängigkeit zu drängen. Das man sich als Yogalehrer  keine goldene Nase verdient, ist ja kein Geheimnis. Da muss man sich schon etwas Besonderes einfallen lassen, um in der Menge aufzufallen. Turban auf und los.

Jeder ist sehr darauf bedacht, ein Yoga-Sternchen zu werden, kann man auch niemanden verübeln. Spiritual Leader wissen sich ganz genau in Szene zu setzen, lassen sich in furchtbar abgedroschenen Gesten fotografieren und scharren mit halbgaren Wissen ihre bedürftigen Jünger um sich. Manchen Lehrern möchte ein, „therapiere doch erst mal dich selbst” entgegenschmettern.

Dabei wirken sie oft wie ein Abklatsch der hageren Gabrielle Bernstein, die sich gern als modernen Guru mit einer Falabella Bag von Stella McCartney um den Arm präsentiert.

Versuchen kann man es ja. Doch was kommt als nächstes? Spielen wir dann alle Gott?

Love & Rockets,

Madhavi Guemoes

 

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