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Let’s talk about // Yogis in Duftwolken

30. Juni 2016
Yogalehrer

Ich lag vor ein paar Tagen in aller Herrgottsfrühe verträumt auf meiner Yogamatte, startklar für eine stramme Yogastunde. Die Welt schien noch schwer in Ordnung. Zumindest in meinem Lieblings-Yogastudio. Betrat eine Frau den Raum, um die 30. Ich hätte sie gar nicht wahrgenommen, denn mir ist es ziemlich rille, wer neben, hinter oder vor mir beim Yoga liegt. Außer man triezt mich. Dann ist mir nichts mehr egal. Das kommt hin und wieder vor. So wie an diesem Tag.

Betörende Vanille

Die Dame, nennen wir sie mal Marie, sie war recht hübsch und sicher auch eine nette Person, trippelte mit ihrer kerzengeraden Haltung an mir vorbei, wedelte wild aber entschlossen mit ihren Haaren herum, um diese dann zu einem blöden Knoten auf ihrer Birne zu drapieren. Sie platzierte ihre Yogamatte direkt vor meiner. Damit leider auch eine fiese Duftwolke, die schon vorher penetrant in mein sensibles Näschen kroch. Vanille. Jeeeeede Menge Vanille. Der ganze Raum stank so künstlich, als hätte My litte Pony in die Ecke gekotzt.

Der Lehrer betrat die Yogastunde. Ich versuchte, ihn telepathisch zu nötigen, fünf Räucherstäbchen auf einmal abzufakeln. Funktionierte leider nicht. Alle anderen rümpften nun auch ihre Nase, ich war nicht allein. Der Yogalehrer, ein kluges Ding, riss zum Glück noch mal alle Fenster weit auf. Ich war schwer dankbar!

Mief!

Ein anderes Mal lag ein Typ neben mir, der müffelte, als hätte er die letzten sieben Tage durchgefeiert und vergessen, zwischendurch mal eine klitzekleine Katzenwäsche zu nehmen. Der Gestank von kaltem Rauch und Whiskey strömte während der Yogapraxis aus seinen Poren, ich war ganz high von dem ganzen Dreck. Leider konnte ich mich auch nirgendwo anders hinlegen, die Bude war bumsvoll.

Es kann ja mal vorkommen, dass man nach einer durchzechten Nacht das Bedürfnis hat, sich ein bisschen zu dehnen und zu strecken. Verstehe ich. Oder Deo benutzen muss, weil man Angst hat, unter den Armen zu müffeln. Jedoch gibt es da auch wahrlich dezentere Düfte.

Prosit Sauberkeit

Für mich ist die Yogastunde eine spirituelle Praxis, bei der ich mir, dem Yogalehrer und den anderen Übenden mit Respekt begegnen möchte. Fein geduscht, in sauberen Klamotten. Mit blankgeputzten Füßen, gerade im Sommer. Wenn man einen Yogaraum betritt, ist es, als würde man einen Tempel besuchen. Das sollte man sich als vermeintlicher Yogi immer vor Augen halten. Das versteht sicher auch jeder Normalheinz, der nur ab und zu auf die Matte hüpft, weil es schick ist. Ich möchte einfach nicht von irgendwelchen schweren, chemischen Düften oder einer Haschwolke eingelullt werden, davon bekomme ich krass schlechte Laune. Und nein, das ist für mich auch kein Grund, mich in Gelassenheit zu üben. Noch nicht!

#staytrue

Madhavi

 

 

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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