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Lifestyle

Let’s talk about // Spirituelle Überheblichkeit

20. Januar 2016
Jack Kornfield

Vor ein paar Monaten saß ich im Golden Temple Teehaus in Hamburg, schlürfte unbefangen meinen Kräutertee und lauschte einem Wortwechsel, der direkt vor meiner Nase stattfand.

Ich weiß, das macht man eigentlich nicht. Doch dieser, äh,  frisch Erleuchtete faselte so grell, dass ich mich eingeladen fühlte, an dem Gespräch indirekt teilzunehmen.

Er, nennen wir ihn Mike, saß lässig auf dem Sofa, neben ihm eine sympathische Frau mit gräulichem Haar. Sie schienen sich nur zufällig begegnet zu sein. Es ging um die spirituelle Szene.

Mike, der noch gar nicht so lange meditierte, wie er schnell verriet,  schluderte über spirituelle Lehrer und Sinnsucher jeglicher Art. Über Yogastile, Meditationstechniken, ach, es war so ein schrecklicher Unfug, der da über seine Lippen kam. Als er noch törichte Sprüche über Osho klopfte, war ich kurz davor, ihm meinen Dhal über den Schädel zu gießen.

Da fiel mir wieder auf, was ich besonders abscheulich finde: spirituelle Arroganz. Sei es der Yogalehrer, der drei Worte auf Sanskrit richtig tönen kann und sich als Sanskrit-Gelehrter ausgibt oder die Yogini, die meint, nur ihre Yoga-Richtung wäre die einzig Wahre.

Gerade beim Yoga ist es besonders schlimm, aber vielleicht kommt es mir auch nur so vor. Diverse Yogaschulen schauen aufeinander herab. Subtil, aber wenn man lang genug dabei ist, kann man es nicht übersehen.

Wer lehrt das wahre Yoga? Wer ist ein echter Yogi? Wer hat die beste Ausrichtung?

Es geht um Ego, Macht und ja, natürlich auch um Geld.

Mir ist es schnuppe, ob jemand sämtliche Asanas und die Bhagavad Gita auf Sanskrit runterbeten kann. Ob ein Yogalehrer Anatomie-Kenntnisse eines Uni-Professors besitzt. Ob jemand vegetarisch, makrobiotisch oder vegan lebt.

Denn darum geht es nicht. Der buddhistische Lehrer Jack Kornfield sagt: „Im Endeffekt geht es nur um „Letting go“.“

Es gibt so viele Möglichkeiten, das Selbst zu realisieren. Manche gehen den Weg des Yoga, andere finden ihren Frieden im Zen, Sufismus oder beim Kartoffelschälen. Es gibt da kein richtig oder falsch. Nur weil man etwas gefunden hat, das einen glücklich macht, heißt es noch lange nicht, dass alles andere Humbug ist.

Warum dann auf ein Podest krabbeln und auf andere Sucher und spirituelle Lehrer herabschauen? Eben!

xx Madhavi

Was meint ihr dazu? Ist euch das schon passiert?

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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