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Column

Madhavi & das Leben: Dies ist ein Liebeslied

5. November 2015
Madhavi Guemoes

Ich bin total baff, es ist schon November. Eigentlich wollte ich diesen Artikel bereits im August geschrieben haben, doch es kam einfach zu viel dazwischen.

Ein Jahr wohne ich nun im großen B (ich lüge, es sind mittlerweile schon 16 Monate) und es ist Zeit, das kurz in ein paar Brocken zusammenzufassen.

Berlin. Manche werden mich sicher mitleidig belächeln, vor allem die, die Berlin für ein stinkendes Moloch halten.

Ich möchte mich jetzt nicht sinnlos mit Lobgehudel über Berlin ergießen, ich möchte euch nur erzählen, wie es mir hier ergeht, in dieser großen, weiten Welt.

Ich bin Hamburgerin. Da gibt es die Elbe, die Alster, Menschen mit Fellkragen, unzählige Menschen mit Fellkragen, viel zu satte Menschen, mit hängenden Mundwinkeln. Nicht zu vergessen: die übergroßen Handtaschen. Gut, es gibt natürlich auch eine andere, ganz zauberhafte Seite.

Aber, und da ist es wieder, das Wörtchen mit A, in Hamburg hatte und habe ich immer das Gefühl, nicht alle Latten am Zaun zu haben. Fehl am Platz zu sein und so. Irgendwas fehlt immer. Oder ist nicht gut genug.

In Berlin kenne ich das Problem nicht. Hier bin ich, hier darf ich sein. Es interessiert niemanden, wie man aussieht, was man macht, man wird eh nicht beachtet. Wenn die Stadt brodelt, kann man sich zurückziehen, wenn man Lust hat, begibt man sich mitten ins Getümmel. Alles kann, nichts muss.

Manche sagen, die Berliner sind unterkühlt. Oh, ich habe viele echte Berliner getroffen. Ich komme mit ihnen wunderbar zurecht, mit ihrer klaren Art, sie sagen wenigstens noch, was sie denken.

Auch mit den unberechenbaren Busfahrern wird es mittlerweile einfacher, denn ich habe gelernt  zurückzubrüllen, wenn sie mir blöd kommen. Das kann derweilen sogar Spaß bereiten.

Kürzlich bin ich von Steglitz nach Tempelhof gezogen, jetzt bin ich ein Stückchen näher in die Stadt gerückt. Ich habe endlich ein Yogastudio gefunden, wo ich einfach nur praktizieren kann, eins, wo man noch kräftig schwitzt. Und es ist nur 20 Minuten entfernt, jai!

Vor ein paar Tagen dachte ich noch darüber nach, ob der Umzug nach Berlin nicht eine kleine Flucht gewesen ist. Ja, klar. Ich wollte dringend weg. Mein altes, enges Ich in Hamburg lassen und hier in Berlin ganz neu beginnen, was auch sehr gut geklappt hat.

Ich brauche noch sehr oft Google Maps, sonst verfranse ich mich, das wird sicher ein Weilchen so weitergehen. Aber die meisten Wege habe ich schon innerlich gespeichert.

In Berlin fühle ich mich angenommen, bin angekommen, zuhause. Darauf habe ich fast 40 Jahre warten müssen, ja, im Ernst. Klar, so was sollte nichts mit dem Wohnort zu tun haben, in diesem Fall ist es aber so.

Berlin ist gigantisch für eine kleine Hamburgerin wie mich. In dieser Größe kann ich atmen.

Endlich!

Love & Rockets,

Madhavi Guemoes

 

 

 

©Maria Schiffer

Shirt Kaerlighed

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