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Column

Madhavi & das Leben // Ein bisschen Adi Shakti schadet nie

21. Juli 2017
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Kundalini Yoga

Darauf war ich irgendwie nicht vorbereitet. Ich bin kurz davor zu kollabieren und meiner Nachbarin meinen Kaffee, den ich mir dummerweise vorher einverleibt habe, auf’s flauschige Yogafell zu speien. Ich bin beim Kundalini Yoga, entkommen unmöglich. Aber dazu gleich mehr.

Meine letzte Kundalini Yogastunde ist neun Jahre her, also schon ein Weilchen. Etwa 20 Minuten danach platzte meine Fruchtblase und meine Tochter tanzte zwei Wochen zu früh auf die Welt. So viel dazu.

Ich hatte schon öfter den Gedanken, mal wieder Kundalini Yoga zu praktizieren, weil ich das Singen und die Ruhe nach den Übungen so berauschend finde. Doch habe ich mich nicht wegen meiner Haare in den Unterricht getraut. Mir sagte mal jemand, im Kundalini Yoga bedeuten lange Haare ein fantastischer Draht zu Gott. Demnach ist meine Connection nach oben wohl eher mau. Da ich die Kunst des Turban Bindens nicht beherrsche, konnte ich mein dürftiges Gestrüpp auf der Birne auch nicht verstecken und ging überhaupt nicht hin.

Ich glotzte ab und zu Ra Ma TV, das ist der Kundalini Yoga Kanal von Guru Jagat, machte halbherzig ein paar Übungen mit, zog sie aber nie wirklich durch, weil sie sau anstrengend waren. Ich bewundere alle Menschen, die ernsthaft Kundalini Yoga betreiben, ihre Übungen fleißig zu Hause durchführen. Dafür braucht man schon eine gehörige Portion Willenskraft. Die habe ich zwar auch, aber nur begrenzt.

In meinem Yogastudio wird neuerdings auch Kundalini Yoga angeboten, das sah ich als deutliches Zeichen für mich, es mal wieder zu probieren.

Kurz vorm Zusammenbruch

Ich stehe breitbeinig auf meiner Yogamatte und drehe mich in üppigen Kreisen um mich selbst, was mein Magen gar nicht dufte findet. Das soll die Nieren hübsch reinigen. Schon die vorherige Übung hat mich um den Verstand gebracht, meine Wirbelsäule brennt von der ellenlangen Katze/Kuh Übung im Stehen lichterloh, vielleicht befinde ich mich aber auch kurz vor der Erleuchtung.

Meine Kundalini Yogalehrerin hat wunderschöne funkelnde Augen, als hätte sie gerade eine Chakra Dusche genommen. Auf ihrem Haupt thront ein edler Turban, ich frage mich die ganze Stunde über, wie sie das wohl geschafft hat. Ihre Haut sieht aus wie die einer Dreijährigen, und sie hat eine sanfte, tragende Stimme. Sie spricht Englisch und ist eine direkte Schülerin von Yogi Bhajan. Auf Englisch ist für mich vieles leichter zu ertragen, jedoch kann ich es nicht fassen, dass sie uns in ihrer Zartheit so leiden lässt. Minutenlange Übungen, die mich in den Wahnsinn treiben. Hardcore Kundalini Yoga würde ich das nennen, oder ich bin einfach ein bisschen eingestaubt.

Ab und zu breche ich auf der Matte zusammen, als hätte ich noch nie eine Yogastunde besucht. Dann kauere ich in der Kindeshaltung wie ein nasser Lappen, werde aber von der Lehrerin ermuntert hübsch dranzubleiben, nur noch eine Minute. Wie lang sich eine Minute dehnen lässt, war mir bisher nicht bewusst.

Gelassenheit und Edelmut

Was ich immer sagenhaft an den Kundalini Yogis finde: Sie scheinen in Gelassenheit und Edelmut zu baden. Diese Aura, unbezahlbar. Das war auch der Grund, weshalb ich heute die Kundalini Yogaklasse gewählt habe. Allerdings habe ich eher das Gefühl, in einem Boot Camp gelandet zu sein, nur ohne Geschrei. Nachdem wir die nächste Übung vollbracht haben, nämlich unendlich lang die Arme in die Höh zu strecken und flink die Hände auf und zu zu klappen, schwebe ich innerlich und äußerlich. Ok, da wollte ich hin. Da will ich jetzt aber auch bleiben!

Nein, wir müssen noch mal kurz aufstehen, gefühlte 100 Mal irgendwelche Squat Übungen machen. Mir brennen nach dem fünften Mal bereits sämtliche Muskelstränge im Körper, meine Güte bin ich unsportlich. Ich werde nie wieder Kundalini Yoga machen, schwöre ich mir.

Irgendwann finde ich mich singend auf meiner Matte wieder und es tönt von vorn das Wörtchen Endentspannung. Bin ich erleichtert. Nach ein paar Minuten über dem Boden schwebend, komme ich wieder zu mir. Ich habe es tatsächlich überlebt. Einmal durch alle Widerstände und zurück. Fühlt sich fantastisch an. Ich komme wieder. So lange, bis ich auch so ein seliges Lächeln besitze wie meine neue Lieblingslehrerin.

#satnam

Madhavi

© Maria Schiffer

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