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Column

Madhavi & das Leben: Nein, ich will hier nicht weg!

27. März 2015
Madhavi Guemoes

Ich habe die letzten Tage im gestreiften Schlafanzug und zerzausten Haaren verbracht. Das Praktische an der Übergangszeit ist ja, dass ich über mein nicht vorhandenes Outfit einfach einen Mantel überwerfen, und meine nahezu speckige Haartracht unter einer Mütze verbergen kann, wenn ich meine Kinder von der Schule abholen muss.

Das ist der Nachteil, wenn man einen Job hat, den man überall ausüben kann: Man muss darauf achten, dass man nicht verlottert. Mein liebster Schreibplatz ist nämlich mein Bett, ich nenne es jetzt mal bewusst Schreibplatz und nicht Arbeitsplatz, sonst könnte man ja noch auf dumme Gedanken kommen. Dort habe ich die besten Einfälle, nämlich dann, wenn ich mir noch keine Gedanken über mein Äußeres gemacht habe.

Nachdem mein Mann mich gestern Abend im gleichen Aufzug wie am Morgen vorfand, weil ich mal wieder die Zeit verbaselt hatte, (die anderen Tage hatte ich abends dann doch mal das, äh, Outfit gewechselt) warf ich ihm hektisch zu: „Ich habe den ganzen Tag schwer geackert, mein Kopf glüht.“

Er nickte leicht spöttisch und ich dachte: Madhavi, so kann das nicht weitergehen. Ich buchte eine Pediküre im Cowshed Spa, das mir meine Freundin Jenny von ilovespa.de empfohlen hatte. Ich war mir sicher: Sind die Füße erst einmal wieder auf Vordermann gebracht, zieht der Rest bestimmt schnell nach. Ich verpasste beinahe den Termin, weil ich gar nicht mehr wusste, was man eigentlich in der Welt da draußen so anzieht, und musste in der Eile ein Taxi rufen, wie dumm.

Der Taxifahrer erzählte mir von der Echo-Verleihung. Die schaue ich mir grundsätzlich nicht an. Er faselte etwas über Helene Fischer. Ich schaltete auf Durchzug, träumte von Prag und wurde schnurstracks hellwach, als er lauthals zu schwärmen anfing: „Ach, würden sich doch alle Frauen so kleiden und aussehen wie Helene Fischer, so schön weiblich, ich wäre sehr glücklich.“ Dabei funkelten seine Augen. „Aber so etwas darf ich ihnen wahrscheinlich nicht sagen, sie sind ja eine Frau und haben dazu auch noch, äh, kurze Haare.“

Ich verschluckte mich. Sehnte mich wieder in mein Bett zurück. War viel zu müde, um zu kämpfen – und ersparte ihm und mir eine ordentliche Predigt.

Stattdessen fuhr ich nach der Pediküre mit der Bahn heim, dachte nach, kaufte mir ein dickes Eis und erfreute mich an meinem frischen Hipanema Anstrich. Ich legte mich gemütlich auf mein Bett und flüsterte mir liebevoll zu: Nein, ich will hier nicht weg, alles ist perfekt!

 

 

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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