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Column

Madhavi & das Leben // Was kümmert mich das Geschwätz von gestern

8. Juni 2017
Madhavi Guemoes

Als ich vor ein paar Tagen in einer illustren Runde flotter Yogis zusammensaß, meinte einer von ihnen plötzlich zu mir: Ich mag deinen Blog, ich lese ihn seit Jahren immer gern. Eine klitzekleine Freude machte sich in mir breit, bis er weiter ausholte: Aber manchmal gehst du mir auch verdammt auf den Sack. Ich spürte ein kleines Ziehen in meinem Herzen, lachte verstört und musste dann auch schon los.

Beim Lunch mit einem Bekannten grübelte ich über den Satz nach. Was zum Henker hatte er gemeint? Klar, bin ich nicht everybody’s Darling, das ist auch kein Stück mein Bestreben. Wer sich öffentlich zeigt, muss auch damit rechnen, anderen auf die Nerven zu gehen. So ist das. Trotzdem wollte ich es genauer wissen. Schon deshalb, weil ich dieses komische Gefühl im Bauch loswerden wollte.

Fragen kostet nichts. Was für ein dummer, dummer Satz. Es kostet doch etwas: Mut!

Ich tippte ihm eine Nachricht per Facebook, seine Nummer hatte ich nicht. Ich spreche am liebsten immer alles gleich an. Dann ist es vom Tisch und ich kann weiter atmen.

Schnurstracks bekam ich eine Antwort. Er hätte es nicht so arg gemeint. Nur würde ihm manchmal auffallen, dass ich meine Meinung ab und an änderen würde. So wie es mir halt passt. In einem Jahr schreibe ich über etwas und das Jahr darauf sehe ich wieder alles anders.

Ich musste lachen. Das war es also? Merci für dein Feedback, schrieb ich zurück. Und weiter: Ich bleibe nie stehen und wachse täglich. Was gestern war, muss für mich heute nicht mehr stimmen.

Das ist richtig, erwiderte er, deshalb würde er mich auch so schätzen.

Zum Glück hatte ich mich getraut, nachzubohren. Wer weiß, was ich mir in meinem Kopf zusammengereimt und dann in Zukunft mit Unsicherheit geglänzt hätte.

Für mich ist es eine Stärke, nicht stehen- und im Geist flexibel zu bleiben. Ich bin jeden Tag neu. Frische Gedanken, neue Taten. Click To Tweet

Natürlich spiegelt sich das auch in meinen Texten wider. Ist ja klar. Das bedeutet nicht, dass ich ein Fähnchen im Wind bin, im Gegenteil. Ich habe die Kraft und den Mut, mich jeden Moment neu zu erfinden. Das Leben ist viel zu kurz, um starr auf einer Meinung sitzen zu bleiben, oder sich an eine abgewarzte Lebenshaltung zu klammern.

Ich beobachte das Leben, die Menschen und mich. Alles ist stets im Wandel. Mein Geschwätz von gestern interessiert mich heute nicht die Bohne. Ich gehe weiter, schaue nicht zurück. Das ist meine Interpretation von Freiheit. Es macht das Leben so verdammt liebenswert. Leben wie ein Bambus:

“Bamboo is flexible, bending with the wind but never breaking, capable of adapting to any circumstance. It suggests resilience, meaning that we have the ability to bounce back even from the most difficult times. . . . Your ability to thrive depends, in the end, on your attitude to your life circumstances. Take everything in stride with grace, putting forth energy when it is needed, yet always staying calm inwardly.” Ping Fu

#loveyourlife

Madhavi

© Maria Schiffer

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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