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Column

Madhavi & das Leben: Wir hatten keinen Draht zueinander

13. März 2015
madhavi guemoes

Ich hatte letzte Woche so richtig  Sehnsucht nach herrlich altmodischen Yoga. Ich wollte Räucherstäbchen schnuppern, wollte Mantren vorgeträllert bekommen. Mir keine Gedanken machen wie angeranzt ich auf meiner Yogamatte, auf dem mit Milben besiedelten Teppichboden, rumturne.

Ich ging in ein Yogastudio, das ich hin und wieder aufsuche, wenn ich wirklich Ruhe brauche, da ist die Zeit stehengeblieben,  alles ist om shanti. Ich liebe den Yogastil, der dort unterrichtet wird, gut, die Asanas könnten ein wenig mehr Ausrichtung vertragen, aber im Groben ist es eine sehr runde Sache.

Die Yogalehrerin hatte keinen hochtrabenden Yoganamen, was in dieser Yogarichtung eher selten ist, das fand ich irgendwie keck. Leider hatten wir keinen  Draht zueinander, vielleicht lag es an meinem Nagellack, wer weiß das schon, dabei kuschte ich und machte alles so, wie sie es sagte, obwohl die Hälfte davon wirklich reiner Bockmist war, aber das konnte ich ihr natürlich nicht sagen. Sie fummelte ständig an mir herum, nichts was ich machte war ihrer Meinung nach richtig, ich fand das aber irgendwie recht unterhaltsam.

Ich hatte die ganze Zeit die Augen geschlossen, versuchte irgendeinen lichtvollen Anker in mir zu finden. Leider wurde ich dann schlagartig aus meinen Träumen gerissen. Als mich die Lehrerin, nennen wir sie mal Melanie, bat, aus meinem gemütlichen Kopfstand nach einer guten Minute wieder herauszukommen, weil er ihr so nicht passte, war ich genervt.

Sie erzählte mir, dass ich komplett anders zu stehen hätte und meine Halswirbelsäule so und so sein müsste. Ich schaute sie angriffslustig an, erblickte den Mann neben mir in den Kopfstand hüpfen (agggggghhhhh!!!) und sagte ihr, dass ich ihn seit 25 Jahren so mache und noch niemand darüber geklagt hätte. Und wenn ich ihn so mache, wie sie es möchte, dann hole ich mir mit Sicherheit einen Bandscheibenvorfall, soviel Anatomie-Kenntnisse habe ich dann doch.

Ich versuchte trotz allem eine, äh,  tadellose Schülerin zu sein, machte den Kopfstand so hirnrissig wie sie es verlangte, während sie streng prüfend neben mir hockte. Ich holte mir tatsächlich für die nächsten fünf Tage einen steifen Hals. Ja, ich hatte sogar kurz Angst, mir etwas Ernsthaftes zugezogen zu haben. Es ging nach dem Kopfstand fröhlich weiter mit unsinnigen Korrekturen, dabei waren da noch acht weitere Schüler. Ich fühlte mich furchtbar deplatziert.  Dabei möchte ich vermerken, dass ich sehr wohl froh bin, wenn mich ein Yogalehrer korrigiert. Aber wenn man keine Ahnung hat, dann sollte man vielleicht die Klappe halten. Mir ein Rätsel, dass es im Yoga so wenig ernsthafte Verletzungen gibt. Mir war das eindeutig zu viel, zu übergriffig und überhaupt, entspannt habe ich mich, äh,  nada.

Aber ich habe mal wieder etwas gelernt. Ego hin oder her. Wenn mich wieder jemand zwingen möchte eine Yogastellung anders einzunehmen als mir lieb ist, und es sich für meinen Körper falsch anfühlt, dann bleibe ich einfach bockig mit stechendem Blick, mit meinem Yogablock bewaffnet, auf meiner Yogamatte sitzen.Vielleicht darf ich dann ja ungestört meiner Yogapraxis nachkommen. Ommmmm.

 

 

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