Makrobiotik
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Makrobiotik // Mehr als nur eine Ernährungsweise

Ich begann mich 1996 intensiv mit der Makrobiotik zu beschäftigen. Auf einem Flohmarkt entdeckte ich das Buch „Zen Makrobiotik“ von Georges Ohsawa und war davon total fasziniert. Ich war ständig auf der Suche nach etwas, was meiner Meditation behilflich war. Ich wollte mehr Klarheit, Leichtigkeit, ach, überhaupt sollte das Leben beschwingter werden. Das Buch versprach den Anfang einer langen Reise. In einer Zeit, in der man als Vegetarier schon ein Freak war, schoss ich in meinem Umfeld mit meinem unermüdlichen Interesse für die Makrobiotik den Vogel ab. Natürlich blieb es nicht bei diesem einen Buch. Ich wollte alles über die “Kunst des großen Lebens” wissen.

Aller Anfang ist schwer

Ich versuchte mir viel selbst beizubringen. Was mir nur spärlich gelang. So aß ich monatelang nur wässrigen Reisbrei und trank emsig meine Misosuppe. Sollte ja gesund sein. Das hing mir natürlich bald zum Halse heraus, und ich begann zum Glück, Kochkurse zu besuchen.

Die makrobiotische Szene erlebte ich damals als sehr einschläfernd, es wurde wenig gelächelt, dafür aber jeder Bissen akribisch hundertmal gekaut. Ich fand schnell heraus, dass die meisten Makrobioten durch eine Krankheit zur Makrobiotik gekommen waren, was einiges erklärte.

Als Makrobiot war man ein totaler Außenseiter. Doch ich war zum Glück einfallsreich und lud ständig Freunde ein und bekochte diese eifrig. Viele fingen Feuer und begannen, sich für diese kluge Ernährungsweise zu interessieren. Wir kamen oft zusammen, um gemeinsam zu kochen. Die Makrobiotik ist ein weites Feld. Ich wollte, dass alle es wenigstens einmal kosten.

Ich fuhr öfters ins Kushi Institut nach Amsterdam, besuchte dort Kochkurse, lernte Do-In, eine traditionelle fernöstliche Methode zur Entwicklung und Erhaltung von körperlicher Gesundheit. Später reiste ich immer wieder nach Frankreich ins makrobiotische Zentrum von René Levy, einem direkten Schüler von George Ohsawa (dem Gründer der Makrobiotik). René war ein  beeindruckender Mann, von dem ich sehr viel gelernt habe. Auch die Kochkurse von Imke Lamberts, Leiterin des Fröhlichen Reisballs in Hamburg, sind sehr bereichernd.

Ich stellte mir ständig die Frage, warum Menschen, die sich offensichtlich gesund ernähren, so farblos wirkten und so fuchtbar spaßbefreit schienen. Das änderte sich leider auch nicht, als Madonna anfing, sich diese Ernährungsweise anzueignen. Ich ernährte mich strikt makrobiotisch, bis mein 2. Kind auf die Welt kam. Auf einmal konnte man mich mit Getreide jagen. Ich wusste nicht, was mit mir los war. Ich ernährte mich eine zeitlang von Rohkost, lernte bei tollen Lehrern wie Gabriel Cousens die Kunst des Nichtkochens. Sehr interessant und köstlich, nur auf Dauer nicht wirklich etwas für meinen Körper, der rasch wieder nach makrobiotischen Köstlichkeiten verlangte.

Es ist wie damals immer noch mein Wunsch, Menschen für die moderne Makrobiotik zu entflammen, denn es ist eine wunderbare Ernährungsweise. Ich war ja gerade im Soami und bin so froh, dass es sie gibt: Menschen wie Hildegard Biller, die die Makrobiotik auf eine so liebevolle, entspannte Art und Weise (und vor allem farbenfroh) in die Menschheit tragen.

Was ist Makrobiotik

Makrobiotik ist nicht nur eine östliche Ernährungsform, sondern ein ganzheitlicher Weg, in tiefer Harmonie und Frieden mit der inneren und äußeren Natur zu leben, und der Intuition zu vertrauen. Für mich ist es ein tiefer, spiritueller Weg. Durch ausgeglichene Nahrung schaffen wir eine Verbindung zu unserer spirituellen Natur und öffnen uns für Heilung auf allen Ebenen. Makrobiotik bedeutet “Das große Leben” und wurde von George Ohsawa 1928 ins Leben gerufen, der, wie man munkelt, die Philosophie von dem deutschen Arzt Christoph Wilhelm Hufeland übernahm.

Es geht darum, wieder zu erlernen, wie man wieder mehr im Einklang mit der Natur lebt und was eigentlich wirklich Gesundheit, Zufriedenheit und Leichtigkeit im Leben bedeutet. Makrobiotik ist ein universeller Weg, der uns lehrt, wieder unseren gesunden Menschenverstand einzusetzen. Wer nach Verbesserung seiner Lebensqualität, Harmonie und Ausgeglichenheit strebt und es satt hat, mit verschlossenen Augen durch das Leben zu traben, für den könnte die Makrobiotik interessant sein.

Um etwas zu verändern, müssen wir bei uns selbst beginnen. Wenn man morgens schon hektisch am Telefon herumfummelt, abgehetzt, mit einem halbherzig belegtem Semmel in der Hand, das Haus verlässt, sich mittags flink in der Kantine ein halbgares Tofuschnitzel mit Karotten in Blümchenform reinzieht, um dann bis 2 Uhr nachts mit Hilfe von Kaffee und Schoko-Riegeln weiter zu ackern, der kann nicht wirklich glücklich und gesund bleiben. Wer bereitet sich heutzutage noch liebevoll und in Ruhe seine Nahrung zu? Eben!

Makrobiotische Ernährung ist ein kluger Einsatz von Nahrung. Fehlernährung kann zu ständigem Unwohlsein wie Verdauungsstörungen, leichten Magenprobleme, Migräne, ja, auch zu mieseren Krankheiten führen. Wer Nahrung gewissenhaft einsetzt, kann dem entgegenwirken. Man kann noch so viel Yoga machen und stundenlang meditieren. Wenn der Geist nie wirklich zur Ruhe kommt, weil er ständig durch Nahrung auf mehreren Ebenen aufgepuscht und überflutet wird, oder das andere Extrem, überhaupt nicht mehr angeregt wird, weil in der täglichen Tiefkühlpizza, sagen wir mal,  nicht  mehr allzuviel Nährwert drin steckt, dann sollte wirklich umgedacht werden.

Für mich bedeutet Makrobiotik, bewusst zu wählen, auf allen Ebenen. Wie möchte ich mich fühlen? Was kann ich dazu beitragen, dass ich keinen Raubbau mit meinen Kräften anstelle, und mir achtsam zuhöre, was ich wirklich brauche? Die Qualität der Nahrung bestimmt die Qualität der Gedanken.

Yin und Yang

In der Makrobiotik wird oft mit den Begriffen Yin und Yang gearbeitet. Mit Yin und Yang werden Gegensätze beschrieben, die sich aber auch gegenseitig ergänzen. Kälte und Hitze. Dunkel und hell. Oben und unten. Yin und Yang ergeben zusammen eine harmonische Kraft. Ganzheit. Die makrobiotische Ernährung unterstützt uns dabei, wieder innere und äußere Ausgeglichenheit zu erlangen. Wie oft verlieren wir uns in extremen Nahrungsmitteln, die uns aus unserer Mitte bringen? Das Yin und Yang Barometer hilft dabei. Trinke ich abends genüsslich beim Fernsehen ein Bier (extrem Yin), habe ich mit Sicherheit kurz darauf richtig Lust, auf etwas sehr Salziges (extrem Yang). So fließen wir von einer Extreme zur anderen. In der Makrobiotik versuchen wir das zu vermeiden und Nahrungsmittel zu uns zu nehmen, die nicht zu sehr in die Extreme gehen, uns in unserem Hara, unserer Mitte stärken. Das Verständnis für Yin und Yang braucht beim Erlernen ein wenig Geduld, es ist überhaupt nicht schwer, es ist nur ungewohnt.

Ich habe in meinen ersten Jahren der Makrobiotik so viele Fehler gemacht, es gab so wenig Austausch. Zum Glück ist es heute anders. Ich werde in den nächsten Wochen näher auf einzelne Punkte eingehen, euch viele Tipps und Tricks an die Hand geben.

xxx Madhavi

 

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