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Neid und Missgunst – Eine Teufelsfalle

13. Oktober 2013

neid

Es ist schon lange her. Ich kam grad vom Yoga. Schlenderte strotzentspannt in die Umkleidekabine. Ich war sehr leise. Ich hörte zwei Frauenstimmen – flüsternd lästern. Ich fand es spannend und hörte mit einem Ohr zu, während ich versuchte, meine knallenge Leggings abzustreifen . Beide Frauen schaukelten sich mit ihren Gemeinheiten hoch und aus dem Flüstern wurde ein lauteres Gespräch. Keine der Damen merkte, daß ich in der Umkleidekabine war, denn die hatte die Form eines Labyrinths.

Irgenwann hörte ich ganz genau hin, denn es ging doch tatsächlich um mich. Immer wieder hörte ich meinen Namen.  Mir wurde heiß. Wer hört schon gern Menschen zu, die schlecht über einen reden. Ich erkannte stimmlich eine Frau, die oft während der Yogastunde neben mir lag. Die unfassbar freundlich wirkte, und mir ständig Komplimente machte. Ich fiel aus allen Wolken, als ich ihre boshaften Worte wahrnahm.

Nachdem ich meine Sachen zusammengepackt hatte, schaute ich um die Ecke und wünschte beiden einen schönen Abend. Ihnen fiel die Kinnlade runter. Es war: Kein schönes Erlebnis. Ein Jahr später traf ich die eine Frau auf einem Yogaworkshop wieder. Sie lächelte mir ins Gesicht, ganz vergessen, was ein Jahr zuvor geschehen war. Ich lächelte nicht. Nach einer Meditation kam sie zu mir und fragte doch tatsächlich, was denn mit mir los sei. Ich war fassungslos und erwähnte kurz, warum ich keine Lust habe, mit ihr zu sprechen und sie zog beleidigt ab.

Jahre später kann ich sehen, daß diese kleine Nudel wahrscheinlich einfach nur neidisch war. So wie es schien auf meine Yogapraxis, denn sie beschuldigte mich, zwanghaft ehrgeizig zu sein. Wer mich kennt, weiß, daß ich vieles bin. Ehrgeizig, nein, sicher nicht. Ihr gefiel nicht, daß ich glücklich war. Das ich das hatte, was sie sich wünschte: Zufriedenheit. Eine ganz natürliche Zufriedenheit, die auch die Querelen des Lebens einschloss. Sie konnte es nicht ertragen, daß ich neben ihr einfach schien. Leuchtete, ohne mir Mühe geben zu müssen, weil ich einfach mit dem was war, im Einklang war.

Bevor ich nach Paris zog, wohnte ich bei einer Freundin. Sie war Zahnärztin, ich war irgendwie noch nichts. Eine meditierende Lebenskünstlerin vielleicht, die mal hier und mal dort lebte. Ich mochte sie sehr gern, merkte jedoch schnell, daß sie immer kühler wurde. Auf einer Party kam sie sturzbetrunken auf mich zu und schrie mich vor allen Leuten an: „Ich hasse dich. Du bist so verdammt frei. Du machst was du willst. Und du bist, egal was du tust, immer glücklich. Verschwinde aus meinem Leben……“ Sie meinte es kackernst und ich packte meine Sachen.

Für manche Menschen ist es schwer, Menschen um sich zu haben, die glücklich und zufrieden sind. Sie suchen ständig nach einem Haken. Viele Leute können es nicht ausstehen, wenn Menschen erfolgreich, kreativ und vielleicht auch noch gut aussehend sind. Es ist ihnen ein Dorn im Auge. Ich glaube es ist ein typisch deutsches Problem. Hat jemand mehr, egal was, wird gelästert, gedisst, gemobbt, daß die Balken krachen.

Eine Freundin sagte neulich: „Die Claudia hat so einen Erfolg. Ich habe aufgehört, ihre Fotos auf Facebook zu liken, soll sich die Alte nicht noch besser fühlen.“ Herzlichkeit hört sich anders an. Eine Yogastudiobesitzerin sagte:  „Der Nadja gebe ich natürlich nicht die besten Yogaklassen. Die muß ich klein halten, sonst wird sie mir zur Konkurrenz.“

Warum kommen wir mit der Zufriedenheit, dem Glück anderer nicht klar? Warum können wir damit nicht umgehen? Warum ständig dieser Neid und Missgunst? So eine furchtbare Zeitverschwendung. Würden wir uns mehr unserem Leben zuwenden, könnten wir an unserer Zurfriedenheit arbeiten. Das Leben leben und nicht das der anderen. Wir könnten innerlich wachsen, wenn wir uns an dem Erfolg anderer erfreuen. Herzlich sind. Es ihnen mitteilen. Gute Arbeit honorieren. Offener sein.

Mittlerweile kann ich sagen, daß es herrlich an mir abprallt, wenn ich herausbekomme, daß jemand schlecht über mich redet. Gift versprüht. Andere anstachelt. Ich spüre das. Energetisch. Ich gebe der Person keine Energie, bleibe mit meinem Herzen verbunden, ziehe weiter und erfreue mich an meinem Leben. Das macht mich unheimlich frei. Denn es gibt immer Menschen, die einen nicht leiden können. Ich bin nicht auf der Welt, um es den Menschen recht zu machen. Ich möchte mich an meinem Leben erfreuen, zusammen mit den Menschen, die ähnlich denken wie ich, die ihre Zeit in wichtigere Dinge stecken als in Missgunst und Neid.

Das heißt nicht, daß ich mich nicht auch mal über jemanden auslasse, im Gegenteil, keiner ist ein Engel, aber es sollte immer weniger werden. Daran kann jeder von uns arbeiten.

Die Menschen erkennen selten das eigene Glück, doch das der anderen entgeht ihnen niemals.

André Gide

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