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Lifestyle

Spiritualität in der Schwangerschaft – Ein Erfahrungsbericht

10. Juli 2015
Spiritualität in der Schwangerschaft

Auf Instagram sehe ich in letzter Zeit viele fröhliche, schwangere Yoginis, die mit ihren rosigen Wangen wie das blühende Leben wirken, immer noch jede Asana mit Bravour meistern, sexy ihre grünen Smoothies schlürfen, eine Figur zum Niederknien haben –  beneidenswert!

Keine Sorge, die Realität kann und darf auch ganz anders sein. Die spirituelle Praxis in der Schwangerschaft aufrecht zu halten, ist gar nicht so leicht.  Da geht es für manche knallhart ums Überleben. Ich möchte euch von meinen Schwangerschaften berichten, denn ich erhalte öfters Mails von Frauen, die unsicher sind, weil sie halt nicht so quietschfidel  in dieser spannenden Zeit sind.

Ich habe zwei Kinder, die mittlerweile sieben und neun Jahre alt sind. Bevor ich schwanger wurde, habe ich täglich die Dynamische Meditation von Osho gemacht, das gehörte zu meinem Leben wie das tägliche Zähneputzen. Wenn ich nicht mit dieser Meditation in den Tag startete, war ich ungenießbar.

Ich unterrichtete sieben Tage die Woche, manchmal bis zu 18 Yogaklassen. Meine Yogapraxis war stetig, ich war diszipliniert wie ein Shaolin Mönch  und verbrachte jeden Tag mindestens zwei Stunden auf meiner Yogamatte. Ich war fit für fünf.

Dann wurde ich schwanger und mein Leben war, nun ja, gefühlt vorbei. Mir war nonstop übel, ich lag im Bett und starrte wie gelähmt an die Decke. Es gab Momente, da ging es mir so schlecht, dass ich mir wünschte, die Schwangerschaft wäre vorbei.

Spirituelle Praxis? Pustekuchen!

Ich konnte plötzlich nicht mehr meditieren und der herabschauende Hund war eine elendige Qual  (wer will schon seine hübsche Yogamatte vollkotzen?). Ich hatte fiesen Heißhunger und aß jeden Tag ein großes Stück Seitan. Roh, kein Scherz! Das Unterrichten wurde für mich zur Tortur, schon allein, weil ich jeden einzelnen Fuß riechen konnte.

Es gab nur eine Lösung. Ich musste mich mit der Situation anfreunden. Doch damit war ich leicht überfordert. Nichts war wie vorher. Ich machte tatsächlich fünf Monate keine Asanas. Und wenn, dann lag ich auf dem Boden wie ein nasser Sack und schaffte es gerade mal, meine Beine zu dehnen.

In dieser Zeit habe ich gelernt, was es heißt, demütig zu sein. Ich habe Yoga auf einmal anders erleben können. Ich konzentrierte mich mehr auf Atemübungen, machte ganz kleine Meditationen und fand heraus, dass das eigentliche Yoga ganz woanders stattfand.

Ich war im Hier und Jetzt. Auch wenn sich das nicht wie Disneyland anfühlte. Nach fünf Monaten war ich wieder fähig, ein wenig Asanas zu üben und wurde ganz langsam wieder fröhlicher. Mein Sohn kam per Hausgeburt als Sternengucker auf die Welt, und nach ein paar Tagen hatte ich wieder Kraft, meine Yogamatte auszurollen und 1-2 Sonnengrüße zu üben.

Zweite Schwangerschaft

Bei der zweiten Schwangerschaft war alles anders. Nicht  nur, weil ich schon ein kreischendes Kleinkind an der Hand hielt. Mir war zwar übel, doch dank meiner Homöopathin wurde die Übelkeit ein wenig gelindert. Ich konnte ab dem dritten Monat wieder Asanas machen, meditierte wie ein Weltmeister (am liebsten die Nadabrahma Meditation) und fühlte mich rundum glücklich und zufrieden.

Bis zum 6. Monat. Da bekam ich so heftige Symphysen-Schmerzen, dass ich weder stehen noch gehen konnte. Man wickelte mir einen festen Lappen um die Hüften, was aber nichts brachte. Wieder schleppte ich mich zu meiner Homöopathin, sie schaffte es, mich von meinen fiesen Schmerzen zu befreien. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar.

Ich konnte wieder alles machen. Kurz vor meinem Geburtstermin radelte ich mit heftigsten Wehen (dachte es wären Senkwehen) zum Kundalini Yoga, um dann vier Stunden später mit einer Blitzgeburt meine Tochter (sie kam mit den Beinen zuerst auf die Welt) in den Armen zu halten.

Ich war euphorisch. Nahm mir keine Zeit. Wochenbett? Pah! Mir ging es doch blendend. Ich hätte Bäume ausreißen können. Ich machte gleich wieder viel Yoga, so gut es ging,  und täglich ellenlange Spaziergänge. Wohin nur mit all der Kraft. Ich brach natürlich zwei Wochen später zusammen und musste erstmal eine zeitlang liegen. Wie dumm ich war.

Ich habe viel aus dieser Zeit gelernt. Hier sind ein paar Ideen, wie man mit Gelassenheit eine Schwangerschaft (denn sie ist nun mal nicht immer so golden, wie uns alle weismachen wollen) erleben oder sogar überstehen kann.

Übelkeit

Keine Frau in meinem Umkreis hatte während ihrer Schwangerschaft mit Übelkeit zu kämpfen. Keiner konnte mir einen Rat geben. Niemand konnte nachfühlen, das war wirklich furchtbar.  Es ist ratsam, sich eine gute Homöopathin zu suchen, sie (oder auch er) kann dir mit Sicherheit weiterhelfen. Alle anderen Mittel, die so im Netz stehen haben mir kein Stück geholfen. Das Gute daran: Es geht vorbei.

Sadhana

Wenn die spirituelle Praxis leidet, mache dir keinen Kopf . Es ist nur temporär und wer sagt denn, dass der Bau eines Babys im Bauch nicht hochspirituell ist? Eben. Außerdem kann man Yoga auf verschiedene Weise üben. Wie ist es mit der Japa Meditation? Pranayama? Übe dich in den  Yamas oder Niyamas, gehe in die Kunsthalle oder lies einfach ein schönes Buch. Sei nicht so streng mit dir!

Ernährung

Versuche so gut es geht, dich vernünftig zu ernähren. Ich weiß, dass ist nicht immer leicht, doch für das Wohlbefinden ungemein wichtig. Mache dir grüne Smoothies, grüne Säfte, iß so viel Grünes wie möglich. Wenn der Heißhunger kommt: ruhig mal nachgeben. Ich war in meinen Schwangerschaften noch Makrobiotikerin, konnte Defizite wie Eisenmangel gut mit der Ernährung ausgleichen (es gab dann bestimmte Algen oder gedämpfte Petersilie).

Schlaf

Setze dich nicht unter Druck. Es muss noch viel erledigt werden? Ach, komm schon, das geht später auch noch mit Kind. Schlafe so viel es geht. Ruhe dich aus, so oft du kannst. Denn diese Zeit kommt nie wieder.

Freundschaft mit dem neuen Körper schließen

Ja, der wird sich verändern, bei Yoginis ist er aber meist nach der Geburt sehr schnell wieder fit. Freunde dich mit deinem Bauch, deinem Wasser in den Beinen an, es kann so lästig sein, ich weiß. Mache Spaziergänge, gehe Schwimmen, um Fit zu bleiben – aber mache keine Marathon Läufe.

Die Erwartungen eindämmen

Was die anderen Schwangeren machen oder wie sie aussehen, sollte dir schnurzpiepegal sein. Bleibe mit der Aufmerksamkeit bei dir und lasse den Perfektionismus beiseite. Wer will schon eine hysterische Schwangere neben sich haben? Richtig, keiner!

Eine Schwangerschaft ist spiritueller Wachstum. Für manche die schönste Erfahrung der Welt, für andere eine lange Durststrecke. Wie auch immer, es es geht vorbei. Versprochen!

 

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