Tel Aviv
Column Tel Aviv

Madhavi & das Leben // Mein erstes Mal in Tel Aviv

Tel Aviv ist nichts für ’ne schnelle Nummer. Das wird mir rasch klar. Zeit sollte jeder einplanen, der in diese magische Stadt reisen möchte. Und ich möchte euch unbedingt ermutigen, einen ausgiebigen Trip in diese Traumstadt in Erwägung zu ziehen. Ich habe zum Glück eine knappe Woche vor mir. Aber von vorn.

Es ist Dienstagmittag, als ich in Berlin-Schönefeld am Flughafen wie Espenlaub zittere. Natürlich lasse ich mir nichts anmerken. Ich habe noch exakt zehn Minuten, bis mein Flieger nach Tel Aviv abhebt, und ich sitze noch gemütlich beim Security-Check.

Mein Fehler, denn ich habe mich mit meinem Handgepäck schon durch alle Kontrollen geschummelt, als ein junger Israeli mich kurz vor dem Ziel abfängt und meint, ich hätte ja noch gar keinen Security-Talk geführt.  Ach so. Hätte ich mir ja auch denken können, dass es nicht ganz so einfach zum Ziel geht. Ich schaue ihn mit großen Augen an. Er bugsiert mich wieder komplett aus dem Check-in Bereich heraus.

Alles halb so schlimm

Ich bleibe komischerweise vollkommen ruhig, wird schon alles seine Richtigkeit haben. Ich bin nicht die einzige Person, die sich verfranst hat. Hat uns ja auch keiner gesagt, was wir tun sollen. Nun werde ich mit Fragen bombardiert, die ich mir vorher schon im Netz rausgefischt hatte. Besonnen halte ich allen Anforderungen stand.

In Israel, in order to be a realist you must believe in miracles ~ David Ben GurionClick To Tweet

Ein paar Sekunden vor Abflug und ohne meinen Reisepass in der Hand, der wechselt gerade minütlich seinen Besitzer, frage ich die sympathische Beamtin, ob ich denn meine Reise nach Tel Aviv überhaupt antreten kann, zeitlich sei es ja schon etwas knapp. Auf jeden Fall, erwidert sie. Nur Geduld. Das beruhigt mich. Ob ich nun im Flieger sitze, oder vor einem Rudel schöner Israelis in Uniform, ist mir schnuppe.

Dann geht alles ganz rasch. Ich schaffe es noch rechtzeitig in die Maschine. Puuh. Schaue auf meinen Platz und sehe vor mir ein Pärchen, das irgendwie getrennt sitzen muss. Ich biete der Frau meinen Sitzplatz an, damit sie zusammensitzen können. Mir egal, wo ich über den Wolken schwebe. Als Dankeschön bekomme ich von der Existenz zu guter Letzt eine ganze Sitzreihe geschenkt. Herrlich.

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Wie nach Hause kommen

Als ich in Tel Aviv lande, werde ich von einer riesigen Schülergruppe am Flughafen begrüßt, die den Song Salaam trällert. Natürlich nicht für mich, doch erinnert es mich an früher, als ich in Indien Abende mit Freunden aus Tel Aviv verbrachte. Schnurstracks fühle ich mich wieder wie 20.

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Die Sonne scheint, die Palmen wedeln mir freundlich zu. Ich bin im Paradies. Ich erinnere mich aber flink daran, warum ich eigentlich hier bin: um mein Buch in Ruhe weiterzuschreiben. Aber erst einmal die blassen Füße in Sandalen packen. Frühling. Hach!

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Glückselig durch Tel Aviv

Ich wohne bei Naomi Bubis, Herausgeberin des Tel Aviv Blogs Telavivnotes, eine ganz bezaubernde Frau! Sie lebt seit 20 Jahren in Tel Aviv und kennt jeden Winkel dieser Stadt auswendig. Natürlich setze ich mich nicht gleich an den Schreibtisch, ich muss erst einmal Tel Aviv mit ihr erkunden. Wir schwingen uns auf die E-Bikes. Naomi wohnt nur 10 Minuten vom Strand entfernt, was für ein Luxus.

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Das mit dem E-Bike muss ich noch lernen, aber es klappt rasch ganz gut. Diese ellenlangen Strände……nach einem gnadenlosen Winter in Berlin ein absolutes Geschenk. Naomi zeigt mir ihr Lieblingsyogastudio, das Ella Yoga. Es liegt am Strand, mit Blick auf das grenzenlose Meer. Danach fahren wir ins Market TLV – Seasonal Kitchen, wir haben Hunger.

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Yogastunden auf Hebräisch

Am nächsten Morgen radel ich allein ins Ella Yoga. Tel Aviv fühlt sich für mich so verdammt richtig an. Die Yogaklasse ist gefüllt mit emsigen Yogis, die bereit sind, sich von der Yogalehrerin bürsten zu lassen. Anat, wie die flotte Yogalehrerin heißt, ist mir gleich sympathisch. Sie spricht die ersten Minuten Englisch, doch merkt schnell, dass ich ganz gut auf Hebräisch mitkomme. Zwar verstehe ich nur Bahnhof, aber der Klang der Stimme und das Sanskrit helfen mir, ihr zu folgen. Ich schaue einfach, was die Damen gegenüber machen. Klappt schon. Ich bekomme irre gut meine Birne frei, denn ich muss mich arg konzentrieren und habe keine Zeit, meinen eigenen Gedanken zu folgen.

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Nach der Yogastunde kaufe ich mir einen Saft von Urban Shaman, den ich auch kurz darauf kennenlernen werde. Er ist nämlich ein guter Freund von Naomi. Ich setze mich an den Strand und starre glückselig auf das funkelnde Meer.

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Post Yoga Bliss

Es fällt mir natürlich schwer, in so einer wunderschönen Umgebung zu arbeiten, und nicht ununterbrochen jede Ecke der Stadt zu erkunden. Auf der Terrasse von Naomi steht ein Orangenbaum. Es duftet in der ganzen Stadt nach einem Blumenmeer. Ich nasche frische Avocado. Naomi kommt mit Humus um die Ecke, den leckersten, den ich je gegessen habe. Überhaupt kochen wir viel selbst.

Makrobiotisch

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Naomi von telavivnotes

Muskelkater ohne Ende

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Tel Aviv wirkt so sicher, leicht und friedlich. Die Stadt macht gute Laune. Am nächsten Tag fahre ich abends erneut ins Ella Yoga. Auf dem Stundenplan steht Ashtanga Yoga. Wieder mit Anat. Diesmal komplett auf Hebräisch. Ich komme mir vor wie eine komplette Anfängerin. Egal wie alt, alle können sich brezeln bis der Arzt kommt. Neben mir drückt sich eine knapp 60-jährige aus der Grätsche in den Handstand. Ich schwanke zwischen beeindruckt sein und Mitleid haben. Mit mir natürlich, ist ja klar, denn ich leide tatsächlich und schalte einfach fünf Gänge zurück. Die Israelis haben einfach eine extrem stramme Yogapraxis.

Urban Shaman

Am Freitag besuchen wir Udi in seinem Urban Shaman Headquarter im wunderschönen Stadtteil Neve Tzedek. Solltet ihr mal in Tel Aviv sein, müsst ihr unbedingt seine verdammt leckeren  Säfte oder gar ein Juice Cleanse ausprobieren. Unschlagbar. Auch seine Tagesgerichte sind köstlich. Udi unterrichtet auch Yoga im Ella Yoga und ist ein dufter Typ. In Tel Aviv der einzige Mensch, der Organic Juices anbietet. Am Abend koche ich für alle makrobiotisch.

Green Smoothie

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Mangobaum im Garten von Urban Shaman

Obwohl ich eifrig am Schreibtisch sitze, finde ich genügend Zeit, mir mit Naomi Tel Aviv anzuschauen. So ein E-Bike ist wirklich praktisch und spart verdammt viel Zeit. In Tel Aviv könnt ihr gut ein Fahrrad leihen, sogar E-Bikes sind im Angebot. Es ist traumhaft schön, an der Promenade entlang durch Tel Aviv zu fahren. Mir wird auch häufig das Yogastudio Naim empfohlen. Leider schaffe ich es nicht dorthin, aber es steht fürs nächste Mal auf meiner Liste.

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Rothschild Hotel

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Am Freitagnachmittag treffen sich alle Menschen auf der Straße und feiern. Ab 17 Uhr sind die Straßen aber komplett leergefegt, weil alle mit ihren Familien zu Hause sitzen. Samstag ist der einzige Ruhetag. Sonntag ist schon wieder Montag, da geht der Alltag wieder von vorn los. Gewöhnungsbedürftig.

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Nach Tel Aviv könnt ihr jederzeit reisen. Januar und Februar sind jedoch die kälteren Monate. April, Mai und Juni sollen am angenehmsten sein. Dann sind noch nicht so viele Touristen in der Stadt, und es ist noch nicht so irre heiß.

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Mir gefällt, dass jeder in Tel Aviv so sein kann wie er ist. Hier empfinde ich absolute Freiheit. Die Offenheit ist es auch, die die Stimmung in Tel Aviv ausmacht. Ich komme mir überhaupt nicht vor wie eine Fremde. Im Gegenteil.

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Vegane Kerzen von Candle Room

Jaffa

Jaffa

Jaffa

Jaffa

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In ganz Tel Aviv gibt es freies Internet. Überall findet ihr vegane Restaurants, es ist ein Paradies für Veganer und Vegetarier. Die Yogastudios haben bis zu 15 Yogastunden pro Tag. Tel Aviv ist ein Mekka für Yogis und Menschen, die einen gesunden Lifestyle leben. Den Health Food Store Neroli kann ich euch auch sehr empfehlen. Dort lerne ich auch die Betreiber der veganen Restaurants Nanuchka und Mushka kennen.

Neroli Health Food Store

Ein weiteres Highlight in Tel Aviv ist für mich das Miznon von Eyal Shani. Ich könnte fünf dieser köstlichen Pitta Taschen futtern, wenn mein Magen es zulassen würde. Hier wird alles mit Blumenkohl hergestellt. Verdammt lecker.

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Außerdem könnte ich mir alle fünf Minuten einen veganen Paleta in den Mund schieben. Köstlich.

Paletas

Tel Aviv ist mir ganz flink ans Herz gewachsen. Vor allem die Gastfreundlichkeit. Die kennen die Deutschen ja eher weniger. Eine wundervolle Stadt mit zauberhaften Menschen!

Schaut mal bei Telavivnotes vorbei, bei Naomi bekommt ihr jede Menge Tipps, wenn ihr eine Reise nach Tel Aviv plant. Im Juni bin ich wieder dort und werde weitere Orte für euch erkunden.

#shalom

Madhavi

© Fotos von mir: Naomi Bubis

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