Vanda Scaravelli
Allgemein Yoga

Yoga nach Vanda Scaravelli – Do less, feel more!

Das Intuitive Yoga nach Vanda Scaravelli befreit Körper und Geist – und das westliche Hatha-Yoga von Verletzungen und gefährlichen Leistungsidealen

Jeder, der in der westlichen Hemisphäre etwas länger Yoga praktiziert, kennt das Phänomen: Plötzlich taucht ein neuer Name im Yoga-Universum auf und wird mit viel Marketing-Trara zur Marke. Die in der Regel dasselbe „verkauft“ wie die anderen Yogamarken auch: Hatha. Asanas. Und ein bisschen Anatomie und Atem und Ahimsa drumherum.

Vanda Scaravelli – Freigeist und Pionierin

In diesem Kontext will und kann das von Vanda Scaravelli inspirierte Yoga nur bedingt Aufmerksamkeit auf sich lenken. Zum einen, weil es der 1999 verstorbenen Yoga-Pionierin Vanda Scaravelli stets wichtig war, dass ihr Name keine Marke werden darf. Keine weitere Methode und noch viel weniger ein System. Zum anderen, weil die langjährige Schülerin und Freundin von Desikachar, B.K.S. Iyengar und besonders vom Philosophen Krishnamurti nur eine kleine Schar handverlesener Schüler mit ihrem Wissen in die Welt entlassen hat. Von denen jede und jeder das Yoga nach Vanda Scaravelli auf eine absolut individuelle Weise gelernt hat und entsprechend weiter gab und gibt.

vanda scaravelli Vanda Scaravelli mit B.K.S Iyengar

Die erklärende Idee dahinter ist die simple Feststellung Vandas, dass jeder Körper, jeder Mensch anders ist – und daher die Hatha-Asanas entsprechend anders empfindet und übt. Weshalb es im Intuitiven Yoga nach Vanda Scaravelli weder Anfänger noch Fortgeschrittene geben kann: Jeder übt nach seinen körperlichen und täglich unterschiedlichen Möglichkeiten.

Wichtig ist, die Prinzipien hinter diesem Ansatz zu kennen, sie zu üben und sie physisch verstehen zu lernen

Was man besser so beschreiben kann: Man fühlt die Asana in sich entstehen – im Unterschied, ja Gegensatz zu der Idee, dass man seinen Körper in fest definierte Positionen manövriert. Trikonasana, Pashimottanasana, Tadasana, – wir alle kennen die Unterrichtsstunden, in denen jeder Yoga-Übende diese Asanas auf die gleiche Art und Weise ausführt, angeleitet von einer lehrenden Person, die (meist wie im Frontalunterricht vorn) den Takt vorgibt.

Opfert nicht euren Instinkt auf dem Altar der vermeintlich großartigen Pose. Behandelt euren Körper nicht, als wäre er ein Fremder, sondern entwickelt einen freundschaftlichen Umgang mit ihm. Beobachtet ihn, hört ihm zu. Findet heraus, was er braucht, gebt es ihm – und habt Spaß dabei. Spüren heißt Lebendigsein!“  – Vanda Scaravelli, aus ihrem Buch „Awakening the Spine“

So entstehen Lehrstunden, die jedem Übenden die gleiche Zeit pro Asana lassen; in denen jeder Teilnehmer im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sein Verständnis von der gerade abverlangten Position umzusetzen versucht. Eine Übungspraxis, aus der häufig Überbeanspruchungen, Überdehungen und ständige Wiederholungen ausgleichender Fehlstellungen resultieren, wenn man sich in die allgemein gültige Vorstellung von diesen Asanas schiebt, stemmt, drückt und (am Körper vorbei) mogelt. Asanas, die der Körper von ganz allein – so man ihm Zeit, Aufmerksamkeit und Gehör schenkt – ganz anders „erblühen“ ließe. Vanda Scaravelli hat deshalb eine freie und bewegliche Wirbelsäule, die Einbeziehung der Schwerkraft in die Übungspraxis und den Atem, aus dem jede Bewegung genährt wird, zu den zentralen Grundsätzen und Referenzpunkten ihres Yogas gemacht. Das Buch „Awakening the Spine“ ist leider so ziemlich ihr einziges Vermächtnis, das diese Idee in Wort und Bild zusammenfasst. Und viele Sätze daraus sind wie kleine Wegweiser zur Yoga-Weisheit: „Yoga sollte nicht geübt werden, um den Körper zu kontrollieren. Im Gegenteil. Es sollte dem Körper Freiheit geben – alle Freiheit, die er braucht.“

Vanda Scaravelli

Alke von Kruszynski beim Unterrichten in Goa

Vanda Scaravelli suchte sich ihre Schüler sehr genau aus

Zum Glück haben auch ihre wenigen, handverlesenen Schüler, allen voran Sandra Sabatini, inzwischen einiges in Buchform oder Artikeln zusammengefasst, um Wissbegierigen und allen, die offen sind für Neues, eine Idee vom Scaravelli-inspirierten Yoga zu vermitteln. Am nachhaltigsten sind natürlich persönliche Erfahrungen, um zu verstehen, wie anders und körperfreundlich diese Art des Yoga für Übende ist: Sandra Sabatini, Diane Long, Elisabeth Pauncz oder John Stirk als langjährige Schüler Vandas, sowie deren Schüler und inzwischen zahlreicher werdenden Lehrer der 3. Generation, verändern mit Workshops, Retreats, Yogaferien und einigen wenigen Ausbildungsprogrammen schon spürbar das Wesen des Yoga, wie es im Westen gelehrt wird. Das Intuitive Yoga nach Vanda Scaravelli geht dabei im Prinzip zu den Ursprüngen zurück: einer Verbundenheit – die im westlichen „Lifestyle“ und auch in dessen Varianten des Yoga erst wieder geübt, gefunden, erspürt werden muss. Yoga ist ein für alle westlichen Gesellschaften überaus willkommener und wichtiger Weg, um mit dem Körper (wieder) in Kontakt zu kommen und vielleicht sogar vertiefend und darüber hinaus die eigene geistige Entwicklung zu fördern.

Vanda Scaravelli

Mit absoluter Achtsamkeit, viel Zeit und Konzentration und völlig ohne Ehrgeizgedanken praktiziert und gelehrt, schließt Yoga keinen Menschen wegen seines Alters, seiner Beweglichkeit oder seines Gesundheitszustands aus. Ein solches Verständnis verhindert den längst nicht mehr unüblichen Beigeschmack, Yoga sei nur etwas für schlanke, junge und biegsame Menschen in tollen Yoga-Styles. Sei nur eine weitere leistungs-orientierte, muskelbildende Fitnesseinheit im Sportstudio.

Yoga, das dem Körper Freiheit und Leichtigkeit gibt, kann darüber hinaus auch die steigende Zahl jener Yoga-Verletzten und/oder durch chronische Fehlstellungen dauerhaft Geschädigten stoppen, die in die Praxen von Orthopäden und anderen Medizinern strömen und wegen Nacken und Bandscheibenproblemen entweder nie mehr auf die Matte zurück kehren – oder aber die Signale ignorierend schon Stunden später wieder mit Kinesio-Tapes an den überstreckten Körperteilen in der nächsten Yogastunde mitturnen.

In Deutschland gibt es bisher nur in Hamburg (2) und Berlin nach der Idee Vanda Scaravellis ausgebildete Lehrerinnen;  die meisten praktizieren in Italien, England und über die Weltkugel verteilt. Am 13. bis 15. Juni können interessierte Übende in Hamburg noch 2 letzte Plätze im Workshop von Sandra Sabatini ergattern: Anmeldung und Infos

Wer sich für dieses revolutionär sanfte, aber konzentrierte Yoga interessiert, kann bei diesen Lehrern Unterricht Inspiration holen.

Liz Warrington, Helen Noakes, Catherine Annis und Steve Bracken.

%d Bloggern gefällt das: