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Mind

Wann haben wir das Sein verlernt?

13. September 2016
Madhavi Guemoes

Heute Morgen beim Aufwachen: Kein Griff zum Telefon. Mache die Kinder fertig. Bringe sie zur Schule. Komme nach Hause, meditiere. Es ist 9.30 Uhr. Und ich weiß nicht, ob die Welt noch steht. Aber die Sonne strahlt. Satter, blauer Himmel. Ich setze mich an den Rechner und schreibe. Checke noch keine Emails. Es ist so still. Bewusste Entscheidung.

Ich muss mich manchmal ganz klar rausziehen aus dem Wahnsinn, den wir Alltag nennen. Bleibe kurz stehen. Halte inne. Das heißt nicht, dass ich nicht arbeite. Aber ich schaue dann nicht nach rechts und links. Kein Social Media, keine Mails. Atmen.

Beim Essen saß ich mittags im Garten. Kein Telefon an meiner Seite. Nicht mal eben schauen, wer eingerahmt von Palmen am tiefblauen Meer liegt, oder welcher Wutbürger wieder rumnörgelt. Nur das Essen und ich. Vogelgezwitscher. Tiefer Atem. Langsames Kauen. Ich spürte nach innen und lauschte meinen Gedanken. Was bewegt mich eigentlich gerade? Wie fühle ich mich? Bin ich noch da?

Pre-Internet Brain

In Kopenhagen hängen Plakate, darauf steht: „I miss my Pre-Internet Brain.“ Tatsächlich. Wo ist es nur hin? Klar, wir wissen, dass es ungesund ist, ständig am Telefon zu hängen. In den Rechner zu starren, was meist so langweilig ist wie eine Packung Cornflakes. Das wir Zeit verplempern. Schlampig arbeiten, weil abgelenkt. Und tun es trotzdem. Überall piept und blinkt es. Ha, da ist wieder irgendwas im Nachrichteneingang.

Wir können jederzeit alles mit der Welt teilen, was wir auch emsig tun. Und umgekehrt. Das hat ja auch seinen Charme. Doch was, wenn das Sein dabei auf der Strecke bleibt? Aus Angst, etwas zu verpassen? Keine Ruhe mehr einkehrt?

Wenn wir dem Sein keinen Raum mehr geben, ihn nur mit Dingen aus dem Internet malträtieren, immer Reißaus vom Moment nehmen, nicht mehr wissen, durch all die Eindrücke, wer wir eigentlich sind, schaffen wir es nicht, voll und ganz da, komplett anwesend zu sein. Durch jeden flinken Blick auf das Telefon verpassen wir den Augenblick, den wir gerade erleben. Wie viele Momente ich versäumt habe.

Nur, wenn wir den Moment, den wir erleben, wirklich wahrnehmen, ganz pur, ohne Ablenkung, können wir die Einzigartigkeit des Seins, die Kostbarkeit und Frische wieder erleben.

Ich arbeite gerade einen neuen Workflow aus. Morgens nicht gleich ins Telefon zu blinzeln, ist ein Teil davon. Der Tag startet viel entspannter!

Jeder Moment sollte gefeiert werden. Vielleicht ab und zu mal offline. Bringt auf jeden Fall wieder Leichtigkeit ins System und mehr Gefühl für das eigene SEIN.

#staytrue,

Madhavi

© Maria Schiffer

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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