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Column

Madhavi & Leben // Wie aus meiner Yogamatte plötzlich ein Hindernis wurde

26. November 2017
This post is also available in: English
Madhavi Guemoes

An mir rauscht gerade eine Dame im Daunenmantel vorbei. Etwas ratlos vermute ich, dass sie sich sicher eine Grippe eingefangen hat. Denn wer zum Henker trägt bei 20 Grad in Tel Aviv eine Winterjacke? Ich blicke mich um und bemerke, dass ich die einzige Person bin, die spärlich bekleidet durch die Gassen schlendert und die warmen Temperaturen genießt. Um mich herum sind alle dick verpackt. Winter in Tel Aviv, verstehe.

Beim Abflug nach Israel musste ich mich dieses Mal gehörig in Gelassenheit üben. Der Sicherheitscheck war für mich bisher immer ein Klacks, bis zum letzten Mittwoch. Eigentlich ging alles recht zügig. Doch plötzlich, bei der zweiten Kontrolle, in einem stickigen Kämmerlein, stürmte eine kampflustige Beamtin ins Zimmer. Der Israeli, der meine Tasche durchsuchte, wirkte sehr freundlich, schien sie aber gerufen zu haben.

Mit funkelnden Augen hielt sie mir meine Mala unter die Nase. „Was ist das“? Ich runzelte die Stirn und antwortete: „Eine Mala, für meine Yogapraxis.“ Ihr Ton wurde strenger. „Wann sind Sie zum Islam konvertiert?“ Ich lachte. „Wie bitte, sind Sie verrückt?“ Sofort biss ich mir auf die Zunge, denn ich wusste, dass dieser Satz nicht mein hellster war. Sie machte mich nervös. Was auch ihre Aufgabe war.

Sie fauchte mich an: „Was gibt es denn da bitte zu lachen, wollen Sie mir etwa unterstellen, ich wäre verrückt?“ Ich fühlte mich, als hätte ich mir gerade den Todesstoß versetzt. Das war’s dann wohl mit meiner Reise nach Tel Aviv. Ich war fassungslos, denn ich bin stramme Atheistin und verstand nicht, wie sie auf den Islam kam (wobei ich nichts gegen ihn habe, um das kurz klarzustellen). Doch das sollte sich bald ändern.

Hallo? Ich bin Atheistin!

„Das ist doch hier ein Gebetsteppich, richtig?“ Ihr Ton wurde strenger. Sie deutetet auf meine bildschöne Yogamatte. „Und das eine Gebetskette.“ Wieder musste ich schmunzeln. „Nein, nein, das ist meine Yogamatte und das meine Yogakette.“ „Yogamatten sehen anders aus. Und eine Mala auch“, keifte sie. Ich wurde ganz sanft, denn das schien mir der einzige Weg: „Oh, da haben Sie wirklich recht, das könnte man meinen. Aber das ist nicht der Fall. Das ist mein Yogateppich, der wird auf eine Yogamatte draufgelegt, für die Hygiene, schauen Sie hier, da steht unter dem Firmennamen YOGA drauf.“

Yogateppich

Lass mich endlich in den Flieger nach Tel Aviv!

Sie war nicht zu überzeugen und fragte mich erneut biestig: „Wann sind sie zum Islam konvertiert.“ Nun wurde es mir zu bunt, ich öffnete die Tür, denn ich wusste, dass Eva Kaczor vor der Tür saß, die ebenfalls auf dem Weg nach Tel Aviv war. Ich rief mit meiner Mala wedelnd der Eva zu: „Eva, was ist das?.“ Sie rettete mir den Hintern und erwiderte lässig: „Eine Mala, Yogakette.“

Nun konnte der israelische Besen nicht anders, als mich endlich zum Flieger ziehen zu lassen. Am Gate traf ich sie erneut und bekam mit, wie sie ihre Kollegen unfreundlich herumkommandierte, sie schikanierte und dachte nur: Es gibt sie überall, die Menschen, die sich ständig aufspielen müssen und alle auf die Palme bringen.

Generell empfinde ich die Sicherheitskontrollen nach Israel und zurück immer als sehr respektvoll. Bisher waren auch immer alle sehr freundlich. Das habe ich in New York/JFK das letzte Mal ganz anders erlebt. Flughäfen sind die idealen Orte, um sich in Gelassenheit zu üben. Mal klappt es mehr, mal weniger. Das nächste Mal werde ich jedoch wieder meine stinknormale Reise-Yogamatte einpacken, den Stress brauche ich nämlich nicht ein weiteres Mal.

P.S. Ich freue mich schon auf die Rückreise, vielleicht lasse ich einfach meine Yogamatte hier, bin ja eh bald wieder in Tel Aviv.

#shalom

Madhavi

Titelbild // Maria Schiffer

Madhavi

Tasche // Dzaino

Yogateppich // Yogreen

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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