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Yoga Expo „Die sind hier doch alle auf Drogen.“

20. Januar 2014

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München. Ich steige aus dem großen schwarzen Taxi und betrete das Hotel. Im Zimmer ziehe ich mir meine Stan Smiths aus und schmeiße sie in die nächste Ecke. Was für ein Tag! Packe meinen Rechner aus. Suche auf dem Schreibtisch nach einer Info für meinen Internet-Zugang. Ich werde nervös. Ich finde nichts. Mist. Ich muss heute doch noch arbeiten. Rufe die Rezeption an. „WLan gibt es bei uns nicht. Sie können jedoch das Kabel auf dem Schreibtisch in ihren Rechner stopfen und dann sollten sie ins Netz kommen.“ Ich schaue mir den Stecker an und schüttel meinen Kopf. „Nein, der passt nicht“, erwidere ich. „Oh“, sagt der Herr, „dann schicke ich ihnen gleich mal jemanden mit einem Router vorbei“.

Ich frage nach der Karte, ich möchte mir nach diesem wilden Tag mein Dinner aufs Zimmer servieren lassen. „Die Karte finden Sie im Fernseher“, sagt der Herr am Telefon geduldig. „Wie jetzt. Sie haben kein WLan, verstecken ihre Karte aber im Fernseher?“ Ich bin fassungslos. Zwei Minuten später kommt ein Mann, der kein Wort deutsch spricht und bringt mir einen Router. Ich schaue das Ding an. Passt. Funktioniert nur nicht.

Ich schalte den Fernseher an. Es gibt 1000 Infos und ich brauche mindestens sechs Minuten, um das zu finden, was ich möchte: die Tageskarte. Ich rufe den Zimmerservice an. Nach 20 Minuten ist immer noch besetzt. Ich bin genervt und gehe runter ins Restaurant.

Zwei junge Kellner empfangen mich. Heute ist Candlelight-Dinner. „Aha“, sage ich. Ein furioser Abend mit busselnden Pärchen erwartet mich. Prima. Ich spüre die barmherzigen Blicke. Ach, egal. Ich setze mich. Ich werde gefragt, was ich essen möchte. Auf der Karte: nur Fleisch. Ich frage nach vegetarischem Essen. Schlage ihm Salat und Gemüse vor. Er fragt: „Wie wäre es mit Lamm?“ Ich bin zu müde, um ihm zu widersprechen, lächele milde und sage: „Ich hätte gern etwas ohne Fleisch.“

Ich bestelle Salat, gedünstetes Gemüse und Bratkartoffeln. Ich esse nie Bratkartoffeln, doch bin ich seit vier Uhr auf den Beinen und brauche was Deftiges.

Die Bratkartoffeln kommen. Ich schaue auf den Teller und frage: „Ist das Speck?“ „Ja“, kommt aus dem kleinen Mund des Kellners empor, „entschuldigen sie bitte, ich lasse es neu machen.“ Mich kann heute nichts erschüttern. Ich nippe an meinem Rotwein. Ich trinke äußerst selten Rotwein. Aber noch mal von vorn.

Es ist vier Uhr in der Früh. Mein Wecker klingelt. Ich mache mich hektisch fertig und fahre zum Flughafen. München steht an, ich fliege zur Yoga Expo. Geschäftlich. Muss € 300,- für Sperrgepäck bezahlen. Halleluja. Während ich auf das Boarding warte, suche ich meine Kopfhörer. Verdammt. Ich habe sie nicht eingepackt! Wie soll ich denn den Flug ohne Musik überleben. Ich bekomme Anflüge von Panik. Zum Glück habe ich Zuckerperlen von meiner Homöopathin, die ich mir sekündlich einflösse.

Ich betrete das Flugzeug. Es sieht so aus, als würden alle in den Wintersport fliegen. Übers Wochenende. Wie dekadent, denke ich. Wir starten. Mein Herz rast. Ich bin todmüde. Kaum sind wir in der Luft, schnarchen und sabbern auch schon die hübschen Snowboarder neben mir.

Ich habe Freunde, die fliegen ohne mit der Wimper zu zucken tagtäglich durch die Weltgeschichte. Das Einzige worüber sie sich Gedanken machen ist der bevorstehende Jet Lag, und wie sie ihn gutaussehend überwinden können. Ich hingegen habe im Vorwege schon eine Woche schlaflose Nächte. Ich bange um mein Leben.

Heil angekommen fahre ich zur Messe. Ich habe eine leise Ahnung, was mich erwarten wird. Leicht überhebliche Yogalehrer und jede Menge Räucherstäbchen. Ich habe hier mal die häufigsten Sätze der Messe einmal zusammengefügt:

  1. „Bekomme ich bei euch Rabatt? Ich bin Yogalehrerin und habe neuerdings einen Blog.“

  2. „Die sind hier doch alle auf Drogen.“

  3. „Hare Rama, Hare Rama.“

  4. “ Ich brauche keinen Gutschein für Yogaklassen, ich bin Yogalehrerin.“

  5. “ Ich praktiziere gar kein Yoga.“

  6. „Om Namah Sivaya, schöne Frau.“

  7. „Bist du Madhavi?“

  8. „Ich weiß genau was das für ein Zeichen ist. Das heißt Namasté. Ich war schließlich letztes Jahr in Nepal.“ (zeigt auf das OM-Zeichen, Anmerk. der Redaktion)

  9. „Hare Krishna, hare Krishna.“

  10. „Sind die Aufkleber umsonst?“

Fazit: Messen sind absolut nicht so mein Ding. Aber: es war nur halb so schlimm. Menschen, die mir meinen Aufenthalt versüßt haben: Jane von Yoga Yeah und Katrin von Lülülemon***. 🙂  Merci!

***kleiner Insider-Joke ♥

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Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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