Yogalehrer Burnout

Yogalehrer Burnout: Wenn man den Yogaschüler von der Matte schubsen möchte

Es ist erschreckend. Immer mehr Yogalehrer leiden unter Yogalehrer Burnout. Sie wirken gelangweilt, spulen ihre Yogaklassen nur noch halbherzig ab, sind blässlich und komplett fertig mit den Nerven.

Ich kann mich auch an eine Zeit erinnern, in der ich total abgekämpft Yogaklassen unterrichtet habe, als meine Kinder noch Kleinkinder waren und Schlaf, haha, so selten war wie ein blauer Diamant zur Geburt. Ich war am Ende.

Manchmal kamen mir 90 Minuten länger vor als ein Flug nach Indien, ich schaute alle zwei Minuten auf die Uhr und hätte am liebsten jeden Yogaschüler, der aufmuckte, aus dem Kopfstand gestossen, bitte nicht weitererzählen – glücklicherweise ist nie etwas passiert.

Yogalehrer Burnout kommt immer wieder vor, es ist manchmal nur eine Phase, die man aber sehr ernst nehmen sollte, sonst endet es in einer Katastrophe. Für den Yogalehrer, den Ruf und vor allem für die Schüler, die man wahrscheinlich nie wiedersehen wird.

Yogalehrer zu sein, ist nicht immer unproblematisch, vor allem nicht in Großstädten, es gibt Krieg – um Yogaklassen, das sanfteste Lächeln, den schönsten Spagat, um Schüler, um einen Platz auf dem Thron.

Die meisten Yogalehrer krebsen am Existenzminimum herum (kann man das so schreiben?), rasen eifrig wie die Wilden durch die Stadt für 25,- Euro pro Yogastunde. Davon müssen sie viele machen. Am Ende kann man gerade mal die Miete zahlen, ist ausgebrannt.

Klar, ist man als Yogalehrer manchmal nicht inspiriert, unterrichtet zum dritten Mal hintereinander die gleiche Leier. Das ist normal. Wenn man die Yogaschüler auf einmal nicht mehr riechen kann, sie am liebsten von der Yogamatte schubsen möchte, ja, dann ist es höchste Eisenbahn für Veränderung!

Anzeichen für einen Yogalehrer Burnout können folgende sein:

  • Ihr spult den Yogaunterricht nur noch ab. Quatscht in jeder Yogaklasse gelangweilt den gleichen Kram.
  • Ihr kümmert euch nicht mehr um die Yogaschüler, turnt lieber die ganze Yogastunde mit und fragt am Ende, ob den anderen die Endentspannung auch so gut gefallen hat wie euch.
  • Ihr seid kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn ein Yogaschüler aus der Reihe tanzt.
  • Ihr werdet schnippisch und zickig, wenn die Yogaschüler eure Anleitungen nicht befolgen.
  • Keiner im Raum ist so unentspannt und unterzuckert wie ihr.
  • Ihr lasst euch ständig vertreten, liegt lieber mit einer Tüte Chips auf der Couch.
  • Ihr vergesst, dass ihr Vertretungsstunden angenommen habt, werdet unzuverlässig.
  • Ihr beklagt euch vor euren Schülern, wie stressig eurer verdammtes Leben doch ist.

Es gibt immer Tage, ja, vielleicht auch Wochen, da ist man nun mal nicht der funkelnde Stern am Yogahimmel. Völlig ok. Es darf nur nicht einreißen. Yogalehrer sollten sich daran erinnern, warum sie unterrichten. Was war eigentlich noch mal die Mission?

Wie ihr aus dem Yogalehrer Burnout wieder herauskommst:

Praktiziert regelmäßig

Ich kenne einige Yogalehrer, die kaum praktizieren, das Feuer verloren haben und nur noch halbherzig ihren Yogaunterricht durchziehen. Wie soll man denn so anderen etwas geben? Yoga kann man nur unterrichten, wenn man vor Überfluss strotzt. Hat man nichts mehr zu geben, muss man dafür sorgen, dass man wieder auf die Spur kommt.

Heißt: eine regelmäßige Yogapraxis, die sieht ja für jeden anders aus, ist unentbehrlich. Sucht euch ein Yogastudio in eurer Nähe und macht dort 2-3 Yogaklassen wöchentlich. Nur für euch, ihr werdet sehen, wie anregend das ist. Übrigens lernt man auch wunderbar von, äh, schlechten Yogalehrern. Dinge, wie man sie nicht machen sollte. Auch nicht übel.

Nehmt euch eine Auszeit

Ich bin früher jährlich nach Indien in einen Ashram gereist und habe dort aufgetankt. Ein Yogalehrer sollte hin und wieder Schüler sein, sich hingeben können und sich der Lehre widmen. Es muss ja nicht Indien sein, aber mal raus aus dem Yoga-Alltagstrott ist nicht verkehrt.

Community und Feedback

In Hamburg habe ich mich wöchentlich mit mehreren Yogalehrern getroffen, wir haben uns gegenseitig unterrichtet, Feedback gegeben, Neues ausprobiert, uns ausgetauscht. Was für eine bereichernde Zeit. Feedback von Yogalehrern, die einen wohlgesonnen sind, ist Gold wert. Tipp: Fragt doch mal einen Yogalehrer in eurem Umkreis, ob er nicht mal eine Yogaklasse von euch besuchen möchte und euch Feedback geben kann. Mir hat es immer ungemein geholfen.

Svadhyaya – Studium des Yoga

Seid wieder Suchende. Seid neugierig. Lest die Yoga-Schriften. Dabei geht es gar nicht darum, sie mental zu erfassen, es geht eher darum, wieder eine Verbindung aufbauen, Selbstreflexion zu üben. 10 Minuten täglich helfen, wieder eine innere Brücke zum Yoga zu bauen.

Yogaklassen reduzieren

Manche Yogaklassen schlauchen mehr als andere. Und zwar immer, egal, wie man drauf ist. Man kommt mit den Leuten nicht klar, man wird mies bezahlt und muss durch die ganze Stadt gurken. Gebt diese Yogaklasse unbedingt ab!!!

Vielleicht könnt ihr ja sogar mit jemanden eine Yogaklasse tauschen? Falls nicht, keine Sorge, es wird schon eine neue Möglichkeit kommen.

Glaubt nicht, dass ihr einfach so weitermachen könnt. Ihr brennt aus, habt keinen Spaß mehr am Yoga, am Unterrichten sowieso nicht.

Eure Yogaschüler merken übrigens alles. Schafft wieder eine verbindende Atmosphäre. Zu euch und euren Schülern. Und nicht vergessen: Einatmen, ausatmen.

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4 Comments

  • Reply Miriam 25. Januar 2015 at 13:07

    Danke Dir. Ich bin zwar Lehrerin ohne das Yoga davor, aber die Anzeichen und Lösungen sind sehr ähnlich. Nehmt euch also Auszeiten, seid keine Einzelkämpfer und verliert die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick.
    Apropos: Bietest Du eigentlich auch mal einen Anti-Stress-Workshop in einem Berliner Studio an?
    Beste Grüße aus dem Steglitzer Kiez.

    • Reply Madhavi Guemoes 25. Januar 2015 at 13:11

      Hallo Miriam, der Anti Stress Workshop kommt voraussichtlich im März/April. Liebe Grüße, Madhavi

  • Reply Dany 8. Juli 2015 at 9:21

    Danke für diesen inspirierenden Text zum Thema Burnout. Liebe Grüße Dany

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