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Mind Unkategorisiert

Kolumne: Zeit Wert geben.

30. November 2014

Diese Woche habe ich nur haarscharf überlebt. Nachdem ich mich tugendhaft in Dankbarkeit gehüllt hatte, übrigens sogar zwei ganze Tage, es war ein Versehen, wurde ich Freitag von 56 E-Mails geweckt, die mich regelrecht erschlugen. „Black Friday Sale“ brüllten sie mich an.

Ich habe mich schon im letzten Jahr gewundert. Black, was, bitte? Seit wann feiern wir diesen ganzen Krempel? Halloween ist für mich schon eine Zumutung, man bedenke den ganzen Zucker, den man verschenken muss, ganz zu schweigen von den enttäuschten Gesichtern meiner Kinder, wenn sie ihre orangenen Halloween-Eimerchen nur kläglich gefüllt wieder nach Hause schleppen.

Und nun Thanksgiving. Ja, ich verstehe, Dankbarkeit, das ist ein Thema. Ich bin jeden Tag dankbar, wenn ich morgens meinen ersten Kaffee, oder grünen Saft in den Händen halte – der mich alltagstauglich macht. Oder wenn sich meine Kinder freiwillig aus ihren Betten schälen. Ja, man kann richtig bescheiden werden.

Es gibt viele Arten von Dankbarkeit. Thanksgiving ist für mich so eine Art Sylvester. Es ist so verlogen. Dankbar sein auf Knopfdruck. War Thanksgiving nicht mal ein indianisches Schlachtfest?

Wie auch immer. Vollgefressen und noch ganz kirre im der Birne gibt es dann im nächsten Atemzug auch schon den „Black Friday Sale“. Ein weiterer Feiertag. Wenn nicht sogar DER Feiertag des Jahres. Überall lauern haushohe Prozente, der alte Klüngel muss raus, denn, nun ja, die Frühlingsware muss ja irgendwo untergebracht werden.

Ich habe nichts gekauft. Habe aber am Ende des Tages über hundert Mails gelöscht, 72 Newsletter abgemeldet, die ich eigentlich schon längst abgemeldet hatte, und stolz in meinen spärlich gefüllten Kleiderschrank geschaut.

Was ich eigentlich sagen möchte: Haltet euer Geld zusammen, kauft weniger Klimbim und schenkt euch lieber Zeit, erlebt etwas Wildes. Denn was gibt es Schöneres, als eine saftige Erfahrung zu machen. Die bleibt dann schön im Köpfchen und müllt nicht die Bude voll.

In diesem Sinne. Einen schönen Start in die wilde Weihnachtszeit!

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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