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Ziele, Pläne, Konzepte – Oder das Leben laufen lassen?

10. Januar 2015
konzepte

Wenn ich die letzten Tage durch das Netz wandelte, oder Menschen analog traf, ja, das kommt vor, kristalisierte sich ganz schnell heraus, dass alle einen raffinierten Plan für das neue Jahr in ihrem politisch korrekten Jute-Beutel bereit hielten. Hübsch gegliedert und flott durchdacht. In ihren Köpfen, ich bin immer noch ganz beeindruckt, Positivität und Leidenschaft.

Während ich noch ganz beschwipst vom Kinder Champagner das laute Januar Getöse, welches in etwa so klingt: „Antreten! Sofort! Marsch, Marsch!“ getrost ignoriere, mich nicht einlullen lasse, sind alle anderen schon durch den imaginären Vorhang der guten Vorsätze geschritten und ganz plötzlich, jaja, tritt die Erleuchtung ein – der schon immer gewünschte Perspektiv-Wechsel. Hach, wenn es doch nur so einfach wäre.

Ein neues Jahr ist wie eine Plage. Ach, was schreibe ich, Sylvester fängt das Übel ja schon an. Was für ein unsäglicher Druck. Ich bin keine Freundin von Heiterkeit auf Knopfdruck, davon werde ich so müde. Ich bin sehr froh, dass ich Kinder habe, die kann ich in der Sylvester-Nacht vorschieben, vielleicht sind sie ja müde, müssen plötzlich um 22 Uhr kotzen oder haben Bauchweh.

Leider funktionierte dies Sylvester 2014 nicht mehr, sie werden größer und haben kein Mitleid mit ihrer schwächelnden Mutter. Deshalb hieß es: aushalten bis Mitternacht. Um 0.30 Uhr lag ich endlich im Bett und zog die Decke über beide Ohren und hoffte inständig, dass das Jahr nicht wieder so schnell vergeht.

Ich denke natürlich nach. Manche schimpfen auf Ziele und wilde Pläne für die Zukunft wie die Mehrheit auf Pegida. Andere wiederum schwören auf ein durchdachtes, äh, verplantes Leben. Und dann merke ich, dass ich gar nicht mehr weiß, was eigentlich in diesem Spiel meine Meinung ist. Kennt ihr das?

Da schätzt man eine Person, die hat ihre Meinung. Dann gleicht man die mit der eigenen ab und wenn es nicht hinhaut mit der Einigkeit, dann fühlt man sich so schutzlos. Das ist der Moment, wo man sich überlegt, ob man sich einfach nicht einmischt. Ins Leben.

Ich kann dieses Mal ohne schlechtes Gewissen behaupten: Ich habe keinen Plan. Nix. Nada.

Oh, wie gern ich doch meine Listen habe. Ich vergöttere sie, aber nur, wenn ich sie von oben bis unten abgeackert habe und erschöpft ins Bett plumpse. Bleibt da auch nur eine Sache unerledigt, kommt meine innere Kritikerin, gegen die Anna Wintour ein sanftes Lämmchen ist, und reißt mir den Kopf ab.

Wozu der Ehrgeiz?

Dieses Jahr gibt es mehr Raum zum Atmen, mehr Zeit für Spontanität, Entspannung, keine stundenlangen, ausgeklügelten Konzepte, kein Druck.

Vielleicht ist das ziemlich dumm, aber es fühlt sich so schön frei und offen an. Dem Leben mal für einen Augenblick nicht meine hübschen, lustigen Ideen aufschwatzen – es wird mir weise zulächeln, das Leben, da bin ich mir sicher.

So, genug mit den Wörtern geklappert, wie sieht es dieses Jahr bei euch mit den Plänen aus? Machen oder sein lassen?

Madhavi Guemoes

Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga – was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.


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