Mind

Soulspiration // Ein Sommer der Langsamkeit

11. Juli 2018
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Ich schaue auf die Headline meines Artikels und muss schmunzeln. Über Langsamkeit zu schreiben und diese auch tatsächlich anzuwenden, ist bei gefühlten 45 Grad in Israel keine große Kunst. Ich bin hier mit meinen Kindern, die gerade Ferien haben. Arbeiten kann ich ortsunabhängig, auch das ist sehr praktisch.

Mein Kopf funktioniert nur mit Ach und Krach und die einzige Sorge ist momentan die, dass bloß die Klimaanlage nicht den Geist aufgibt.

Tatsächlich habe ich aber schon vorher, im wunderschönen Berlin, die Entscheidung getroffen, diesen Sommer im Schneckentempo zu verbringen. Das tut der Seele gut und entspannt ungemein. Mich jedenfalls.

Ich finde generell nichts Schlimmes an einem flotten Tempo im Alltag. Ich bin schnell in der Birne und auch im Handeln. Das macht mir Freude. Doch um das auch weiterhin klug nutzen zu können, brauche ich ab und zu eine gewisse Pause.

Als Selbstständige habe ich jedoch nie wirklich Urlaub. Ich kenne es nicht anders. Irgendetwas steht immer an, ich arbeite aber auch zu gern. Trotzdem fahre ich im Juli und August alles so gut es geht runter, halbes Tempo sozusagen. Um aufzuladen. Das sollte eigentlich das Normalste der Welt sein. Ist es aber nicht.

So sieht meine Langsamkeit aus

Ich lese meine nur Mails sporadisch oder auch mal einen Tag gar nicht. Lasse mir Zeit beim Antworten, außer es ist wirklich sehr sehr dringend. Ich erinnere mich an meine Schulzeit, wenn ich nach dem Urlaub heimkam und tausende Briefe auf dem Tisch auf meine Eltern warteten. Stellt euch mal vor, diese Briefe öffnen wir jetzt ununterbrochen im Urlaub, das ist doch furchtbar, oder?

Ich habe einen Autoresponder eingerichtet und die ersten drei Tage in Tel Aviv keine einzige Mail oder sonstige Nachrichten beachtet. War nur mit mir und meinen Kindern.

Das war recht spannend, denn manche waren schon leicht beleidigt, als ich ein paar Tage nicht auf eine SMS reagiert habe. So ist das heutzutage. Alles muss husch husch gehen.

Auf Social Media krebse ich nur ganz begrenzt herum, bekomme kaum etwas mit. In den letzten neun Tagen habe ich nur einmal mein Telefon mit am Strand gehabt, nämlich gestern, um Musik zu hören.

Am Strand zu sein ohne Telefon, nur mit meinen Kindern, ist großartig. Alles verlangsamt sich, da ist nur dieser Moment. Außerdem verpasst man nichts, rein gar nichts.

Oft ertappe ich mich, dass ich unbedingt ein Foto machen möchte, erinnere mich aber daran, dass das Telefon ja zuhause ist. Und genieße den Moment, halte ihn im Kopf fest, was viel schöner ist.

Ohne Raum und Zeit

Ich habe den Eindruck, je langsamer ich werde, desto mehr nehme ich wahr. Aus der Schnelligkeit herauszutreten, ist eine wundervolle Sache und so gesund. Wenn ich auf den Straßen Tel Avivs unterwegs bin, lausche ich den Vögeln, atme bewusster, spüre den leichten Wind auf meiner Haut. Dinge, die ich normalerweise in der Hetze nicht wirklich wahrnehme. Ich lese viel, lerne Hebräisch oder mache mal rein gar nichts (meine Kinder sind Teenager, da ist das möglich).

Diesen Sommer nutze ich, um mich innerlich auszudehnen, viel Licht zu tanken und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In meiner Yogapraxis halte ich die Yogastellungen mehrere Minuten, viel länger als sonst. Der Atem wird tiefer und länger. Die Zeit bleibt nahezu stehen. Meine ätherischen Öle unterstützen mich beim Innehalten.

Je langsamer ich werde, desto mehr nehme ich mein Wesen wahr. Was fühle ich? Wie geht es mir? Was brauche ich? Was kann ich meiner Familie Gutes tun? Wunderbar meditativ. So kann der Sommer weitergehen.

Macht mit beim Sommer der Langsamkeit, vor allem in der Urlaubszeit. Lasst Fünfe gerade sein, nehmt nicht alles so bierernst, atmet bewusster, legt mal das Telefon zur Seite, unterhaltet euch mit wildfremden Menschen, lacht mehr und reagiert nicht ständig auf Dinge, die warten können. Einen Versuch ist es wert.

#staytrue

Madhavi

© Maria Schiffer

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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