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Interview // Dagmar Spremberg: „Ich lebe meinen Traum!“

25. März 2018
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Ich erinnere mich noch ganz genau an das Gefühl, das ich hatte, als ich das erste Mal vor vielen Jahren eine Yogaklasse von Dagmar Spremberg im Yogaraum in Hamburg besuchte. Ich genoss ihre unprätentiöse Art, ihre Gelassenheit, die sich im Nu auf mich abfärbte. Ihre Schlichtheit und Authentizität sind bemerkenswert. Sie ist warmherzig, immer voller Ideen und Wagnis und gehört zu den Menschen, die ihrem Traum gefolgt sind.

Sie führt sehr erfolgreich in Costa Rica das Retreat Center Montezuma Yoga und unterrichtet weltweit Workshops und Retreats.

Du lebst seit Ewigkeiten in Costa Rica, wie kam es dazu? 

Ich habe immer von einem Leben in der Sonne und unter Palmen geträumt, weil ich nie wirklich das Gefühl hatte, nach Deutschland zu gehören. 1991 reiste ich mit meinem damaligen Mann zum ersten Mal nach Costa Rica. Wir landeten in Montezuma, was mich sofort tief berührte. Die wilde Natur, Affen, Vögel, Zirpen der Grillen, Dschungel, Palmen, Meer. Wir wohnten in einem kleinen Hotel einer Deutschen und jeden Tag dachte ich, wow, sie lebt meinen Traum ! Ich dachte es ist wunderbar, aber sicher nichts für mich. Wir kehrten nach Deutschland in unser Leben zurück, aber es gab etwas, dass mich so tief berührt hatte in Montezuma, dass ich wusste, ich muss eines Tages zurückkehren.

Es hat dann ganze neun Jahre gedauert, aber dafür war es dann auch das perfekte Timing! Nach Deutschland lebte ich zuerst ein paar Jahre in Los Angeles und New York. Als ich für einen Urlaub Ende 2000 nach Montezuma zurückkehrte, habe ich mich gleich wieder verliebt, zuerst in den Ort selbst und dann in einen griechischen Hotelbesitzer. Gelegenheiten begannen sich zu fügen, und so reiste ich hin und her zwischen New York City und Costa Rica. Bis der 11. September passierte und ich alles in New York City verlor.

Das war für mich ein klares Zeichen, den Sprung zu wagen und vollständig nach Montezuma in Costa Rica zu ziehen.
Ich lebe meinen Traum, auch wenn jeder Traum auch seine Herausforderungen hat. Das Leben an einem tropischen Strand ist nicht immer so glamourös, wie es vielleicht aussieht.  

Meine grössere Vision war eigentlich immer, ein unabhängiges und authentisches Leben zu leben, mein eigener Chef zu sein und die Welt zu bereisen, um andere Kulturen und Philosophien zu erfahren. Daher bin ich glücklich, dass ich jetzt meine Zeit zwischen Costa Rica und Europa aufteilen kann.

Wie war deine erste Begegnung mit Yoga?

1996 zog ich von Hamburg nach Los Angeles, was wohl die schwierigste Entscheidung meines Lebens war. Ich verließ meinen Mann, meine erfolgreiche Karriere in der Musikbranche – und meine Wurzeln. Ich folgte mit 30 einfach klar meiner Intuition, die mir zurief “jetzt oder nie“. Als ich in Los Angeles ankam, war ich sicher, dass ich gerade den größten Fehler meines Lebens gemacht hatte!

Es gab noch keine neuen Freunde in der neuen Stadt, so fand ich zum Yoga, was mich gleich sehr tief berührt hat. Meine Lehrerin war damals Christi Minarovich, sie ist immer noch eine der inspirierendsten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe, weil sie wirklich das Yoga lebt und nicht nur Asanas unterrichtet. Ich war begeistert, sie war charismatisch und strahlte Ruhe aus. Ich fühlte mich endlich wieder inspiriert. Es war, als ob jemand eine neue Tür für mich öffnete. Ich konnte wieder das Schöne am Leben sehen.

In ihren Klasse hatte ich jedes Mal ein wunderbares Gefühl der Zugehörigkeit und auch eine schöne Verbindung mit mir selbst. Etwas, was ich mein ganzes Leben gesucht hatte. Ich konnte ich selbst sein, es hat meine Beziehung zu mir und der Welt sehr positiv verändert. Schon bald ging ich 4-5 mal pro Woche ins Yoga. Es war Yoga, das mich geerdet und inspiriert hat in dieser Umbruchszeit.

Ich praktiziere  jetzt seit 20 Jahren und unterrichte seit 17, ich liebe es immer noch so sehr!

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Welche Lehrer haben dich auf deinem spirituellen Weg noch inspiriert?

Nach den Jahren mit Christi zog ich nach New York, wo ich glücklicherweise Elena Brower traf, die gerade am Anfang ihrer Karriere stand und gerade mal fünf Yogis in ihrer Klasse hatte, was sich schnell änderte. Ich liebte ihre Stunden, weil sie auch so inspirierend waren. Auch bei ihr ging es um mehr als nur die Asanapraxis. Anusara Yoga hat damals mein Herz tief berührt, und gab mir so viel Inspiration für mein Leben jenseits der YogaMatte.

Ich praktizierte mit Elena mehrmals die Woche und als ich nach Costa Rica zog, war sie die erste Lehrerin, die bei Montezuma Yoga ein Yoga Retreat veranstaltete. Sie ermutigte mich, auch Yogalehrerin  zu werden und bot mir ihre Unterstützung an, für die ich ihr immer dankbar sein werde.

Elena Brower gehört zu meinen Freundinnen und Lehrerinnen, die ich sehr respektiere und sehe, wann immer ich kann. Andere sehr inspirierende Lehrer in den letzten Jahren sind für mich noch Rod Stryker und Banyan Gallagher, die ich jedes Jahr zum Retreat oder Workshop treffe.

Dein Freund Daniel war einer der ersten Hang Spieler weltweit. Er spielt dieses Instrument auch oft in deinen Klassen. Was ist das Besondere daran?

Die Hang ist ein magisches Instrument, weil es sehr intuitiv gespielt wird. Man kann es nicht wie eine Gitarre oder Geige nach Noten spielen. Das Original kann nicht einfach in einem Musikgeschäft gekauft werden. Als Daniel seine original PanArt Hang erhielt, war es die einzige dieser Art, und er musste die Macher in der Schweiz besuchen, um eine zu bekommen. dagmar-spremberg-montezuma-yoga-costa-rica-hang-daniel-gautschiViele Menschen warteten jahrelang auf eine Hang und manche bekamen sie nie. Wir hatten Glück! Sie kreiert Töne, die sehr harmonisierend auf den Körper wirken, und die schöne Intention der ursprünglichen Erfinder  (es gibt jetzt viele Kopien von anderen Herstellern auf dem Markt) war es „das Klangfeld der Erde zu massieren“. Daniel ist eigentlich Künstler und Bildhauer und in diesem Sinne kein klassischer Musiker, was wahrscheinlich der Grund ist, warum er die Hang ganz anders spielt und eben sehr intuitiv.

Er nimmt die Energie der Gruppe und des Raumes auf und spielt nicht nur seine „Lieder“. Wer es erlebt ist immer tief beeindruckt und sehr berührt von den Melodien. Es ergänzt wunderbar das Yoga, weil es dich in einen wirklich meditativen, beruhigenden Fluss bringt. Daniel spielt es in meinen Vinyasa Klassen und auch in den Yin Stunden. Die Teilnehmer berichten immer, wie sehr die Musik ihre Atmung und Balance vertieft und die Seele berührt.

Hast du manchmal Heimweh nach Hamburg?

Aber ja! Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland. Ich kann mir vorstellen dort einmal alt zu werden, sollte ich jemals Costa Rica verlassen. Meine langjährigen Freunde leben ja auch in Hamburg. Ich bemühe mich immer, Hamburg mindestens einmal im Jahr für ein paar Wochen zu besuchen. Es gibt dort wunderbare Yoga Studios und eine schöne Yoga Community.

Wie empfindest du die Yoga-Szene in Deutschland, so von außen betrachtet?

Es macht mich glücklich zu sehen, wie Yoga in Deutschland in den letzten Jahren gewachsen ist. Es ist doch toll, dass es mehr Bewusstsein und Yogapraxis gibt, die Welt braucht das. Ich sehe neue Yoga Festivals und Konferenzen, die ins Leben gerufen werden, ich habe das Gefühl, es ist eine schöne Gemeinschaft gewachsen. Wahrscheinlich ist es jetzt auch schwieriger als früher, vom Yoga Unterrichten zu leben.

Vor vielen Jahren wurden Workshops  immer nur mit großen internationalen Lehrern angeboten. Es ist schön zu sehen, dass es jetzt viele erfolgreiche deutsche Lehrer gibt, die Reisen und Workshops anbieten. Sie trauen sich mehr, ihr Licht zu teilen und haben an Selbstvertrauen gewonnen. 

Wie sieht deine eigene spirituelle Praxis aus?

Meine eigene Praxis besteht heutzutage mehr aus Meditation. Aber ich liebe immer noch die Asanapraxis, ich nehme gern Yogastunden bei inspirierenden Yogalehrern. Wenn ich manchmal in meine Ängste verfalle, mich die Geschehnisse in der Welt überfordern, unterstützt mich meine spirituelle Praxis sehr, den Herausforderungen des Alltags mit Sanftheit und Stärke zu begegnen. Eine regelmäßige Praxis ist wichtig, um die spirituellen Werkzeuge zu pflegen.

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Dir gehört das Retreat Zentrum Montezuma Yoga. Was bietest du dort an?

Montezuma Yoga ist ein tropisches Paradies, wo Menschen zusammenkommen, um die Seele baumeln zu lassen. Es ist ein kraftvoller Platz, sehr entspannend und sehr transformierend, je nachdem was man gerade braucht. Zu uns kommen auch viele alleinreisende Frauen, um sich zu erholen.
Wir haben ein vielfältiges Programm wie Yoga, Surfen und Wellness. Spanisch kann man bei uns auch lernen. Außerdem gibt es Retreats mit internationalen Gastlehrern, eine breite Auswahl je nach Anspruch und Geldbeutel. Mein Team besteht aus drei wunderbaren erfahrenen Yogalehrerinnen und einer Masseurin. Ich habe Montezuma Yoga als einen der ersten Yoga Orte in Costa Rica gegründet. Man kann spüren, dass es die letzten 17 Jahre mit viel Liebe und Yoga belebt wurde.

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Was macht dich glücklich?

Ich liebe Verbindungen. Nichts erfreut mich mehr, als Menschen zusammenzubringen. Das ist etwas, dass ich schon immer gut konnte. So macht es mich sehr glücklich, dieses Business aufgebaut zu haben, in dem ich das tue, was ich liebe und das auch noch mit wunderbaren Menschen teilen kann.

Ich fühle mich beseelt, dass ich Reisen und Retreats auf der ganzen Welt anbieten kann. Zusammen mit meiner großen Liebe Daniel, der für mich immer eine Ruhequelle ist, und mir den Rücken stärkt. Es macht mich außerdem glücklich, Impulse zu geben, und andere Menschen zu inspirieren, ihre Träume zu leben. Einer meiner glücklichsten Momente ist, wenn ich einfach hier in meinem Haus sitze, mit meiner Katze auf dem Schoß in den Dschungel schaue und den Klängen der Grillen, Affen und Vögel lausche. Das alles ergibt eine große Lebensqualität für mich. Ich bin froh, dass ich nie meine Träume aufgegeben habe, auch wenn es nicht immer leicht war.

Welches Buch hat dich in letzter Zeit berührt und warum?

Ein spirituelles Buch, das ich im Moment lese ist Neurosculpting* von Lisa Wimberger, eine spannende Lektüre über unser Gehirn und wie wir alte Muster und Überzeugungen loslassen können, indem wir unser Denken neu trainieren.

dagmarspremberg.com

 

Danke, Dagmar.

© Carla Montevecchi, & Julie Ansiau

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Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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