Column

Madhavi & das Leben // Es lebe die Freiheit!

26. Juni 2018
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Vorgestern habe ich alle meine Tagebücher in meinem Garten verbrannt. Es hat mich Überwindung gekostet, keine Frage, dennoch war dieser unbändige Drang da, es einfach zu tun.

Ich hatte schon ein paar Mal den Impuls, doch am Sonntag war es soweit. Ich mistete gerade meinen Kleiderschrank aus, im Hintergrund lief das neue Album von Lykke Li, als mir schon wieder meine ollen Tagebücher in die Hände fielen.

Es gab mal eine Zeit, in der ich emsig Tagebücher schrieb. Jeden Atemzug, jeden Schritt fleißig dokumentierte. Heute schreibe ich auch hin und wieder Tagebuch, doch der Inhalt sieht ganz anders aus.

In meinen alten Tagebücher standen Dinge, die mir Herzrasen und Kopfschütteln verursachten. Wer zum Henker war diese Person? Gut, wir verändern uns alle, aber manchmal ist es auch nicht schlecht, nicht daran erinnert zu werden, was für merkwürdige Gedankengänge man mal hatte.

Ich schleppte die Tagebücher zu meiner Feuerstelle in meinem Garten und fing an, sie wild entschlossen anzuzünden…..

Die Seele befreit

Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein befreiendes Ritual es war, die dokumentierte Vergangenheit zu verbrennen. Jedes Mal, wenn mir meine Tagebücher in die Hände fielen, war ich empört von mir selbst und fragte mich, warum ich sie aufbewahrte. War es der rührselige Gedanke, als 90-jährige darin zu lesen? Was war der verdammte Zweck?

Ich schaue ungern zurück, ich empfinde es als Zeitverschwendung, in alten Sachen herumzustochern. Ich blicke sehr gern nach vorn, wenn ich ganz gut drauf bin, verweile ich auch im HEUTE.

Seit einer Woche miste ich Dinge aus, von denen ich mich noch vor ein paar Monaten niemals getrennt hätte. Schuld daran ist ein Buch, das ich euch auch demnächst vorstellen werde. (Nein, es ist nicht Marie Kondo….)

Ich liebe Klarheit in meinen vier Wänden, doch mit Familie sieht die Realität oft anders aus. Irgendwie scheint in jeder Ecke unseres Hauses Plunder herumzuliegen. Kennt das wer?

Wozu der ganze Ramsch

Neulich im Flugzeug habe ich mich gefragt, warum ich meine riesige Bücher-Sammlung noch aufrecht halte, darunter auch mindestens 200 Osho Bücher. Die Antwort war klar: Gefühlsduselei.

Ich denke immer, ich werde sie alle noch einmal lesen. Manche stehen ja total auf eine vollgestopfte Bücherwand, ich kann damit aber wenig anfangen. Je weniger ich besitze, desto glücklicher und leichtfüßiger bin ich.

Das ist auch der Grund, warum ich gerade Stück für Stück gnadenlos alles loswerden will, was keinen Sinn mehr in meinem Leben macht, mich daran hindert, mich energetisch auszubreiten.

Ich kann auch diesen alten, spirituellen Krams in meiner Bude und Keller nicht mehr sehen. So viele Kassetten von spirituellen Lehrern, die ich im Leben nicht mehr anhören werde. Zudem habe ich auch keinen Kassettenrekorder. Es fühlt sich so an, als hätte ich Erhebliches in mir manifestiert und kann mich lösen. Ansonsten ist ja auch alles im Internet zu finden, falls ich es mal brauchen sollte.

Weg damit!

Somit landeten verschiedene Yoga- und vor allem Osho Bücher in einer Kiste auf der Straße. Innerhalb von 15 Minuten war sie leer, das ist Berlin. Ich freute mich diebisch, denn in meiner romantischen Vorstellung fand irgendein Mensch vielleicht einen neuen Sinn im Leben. Ich bin schon dabei, die Kiste wieder aufzufüllen.

Alle, die ab und zu ausmisten (auf welcher Ebene auch immer), kennen das Gefühl von Freiheit, wenn man etwas ziehen lässt. Es ist unbeschreiblich. Für mich war das Verbrennen meiner Tagebücher ein wundervolles Ritual, unvergleichlich. Es war so, als hätte ich mein altes Ich einfach freigelassen, um mich weiter entfalten zu können.

Ich finde es sehr kraftvoll, etwas zu verbrennen, es wirkt so reinigend. Wenn es sich auch merkwürdig anhören mag, ich fühle mich wie neu. So leicht, so frisch, zu neuen Taten bereit.

Welchen Krempel kannst du heute loslassen?

#staytrue

Madhavi

© Maria Schiffer

*Werbelink

Madhavi Guemoes
Madhavi Guemoes dachte mit 15, dass sie das Leben vollständig verstanden habe, um 25 Jahre später zu erkennen, dass dies unmöglich ist. Sie arbeitet als freie Autorin und Vollzeit-Bloggerin in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Wenn sie nicht in die Tasten haut, versucht sie auf dem Kopf zu stehen. Madhavi praktiziert seit mehr als 25 Jahren Yoga - was aber in Wirklichkeit nichts zu bedeuten hat.
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